Gesundheitsrisiken durch Radioaktivität: Zur Erinnerung an Fukushima 2011, als der Bundesrat der Atomkraft in der Schweiz zu Recht den Stecker zog

Medienmitteilung vom 11.3.2021 zum 10. Jahrestag der Kernschmelzen im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, Japan

Die Bedeutung der Kernschmelzen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi im Gefolge des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011 wurde weltweit rasch erkannt: Die Technologie der Stromproduktion mittels Atomenergie ist für die Menschheit zu riskant. Die Geistesgegenwart und Weitsicht insbesondere der vier mit dem SuperGAU in Japan konfrontierten Bundesrätinnen Doris Leuthard, Michéline Calmy-Rey, Simonetta Sommaruga und Eveline Widmer-Schlumpf verhalfen der Schweiz – 25 Jahre nach der Katastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl – zum Atomausstieg.

Interessenkonflikt: Atomwirtschaft versus Gesundheit 

Wie in der aktuellen Coronakrise, standen sich auch damals die Interessen der Wirtschaft und die Risiken für die Gesundheit der Menschen sowie ihrer Umwelt gegenüber. Aus medizinischer Sicht fiel 2011 der Entscheid für eine Wende in der Energiepolitik sehr zu Recht. Denn trotz systematischer Hindernisse bei der Erforschung von Gesundheitsschäden durch ionisierende Strahlung ist heute klar, dass die beiden Nuklearkatastrophen von 1986 und 2011 zur Entstehung von Krebs und anderen lebensbedrohlichen Krankheiten sowie genetischen Schäden und Missbildungen bei vielen Hunderttausenden Menschen geführt hat und in Zukunft führen wird.

Nur unabhängige Erforschung der Strahlenrisiken taugt zur Einschätzung der Opferzahlen                           

Unbestritten ist die im Vergleich zu Männern erhöhte Strahlenempfindlichkeit von Kindern, besonders Säuglingen, sowie von Frauen, insbesondere Schwangeren.  Im Gegensatz zu direkter physischer Gewalteinwirkung wie im Falle eines Erdbebens oder Dammbruches lässt sich die Zahl der Strahlenopfer nur durch anspruchsvolle epidemiologische Untersuchungen abschätzen. Diese benötigen Jahrzehnte und sind manipulationsanfällig – Probleme, die aus der Erforschung der Krankheitsrisiken durch Rauchen oder Asbestexposition bekannt sind. So ist verständlich, dass die international massgebenden, jedoch der Nuklearindustrie nahestehenden Strahlenschutzgremien wie IAEA, UNSCEAR und ICRP Strahlenrisiken massiv unterschätzen – was die genetischen Risiken betrifft um mindestens einen Faktor Zehn bis Hundert! Unabhängige Forscherinnen und Forscher finden jedoch nach Tschernobyl und Fukushima in den verstrahlten Gebieten unter anderem erhöhte Risiken für Schilddrüsenkrebs, Tot-, Fehl- und Mangelgeburten, erhöhte Frühsterblichkeit und signifikante Veränderungen des Geschlechterverhältnisses bei Lebendgeburten mit Verringerung der Anzahl Mädchen, ferner Missbildungen des Herzens und der Harnwegsorgane.  

Ergänzende Hintergrundberichte zu den Gesundheitsrisiken in den verstrahlten Gebieten, zur Situation der Fauna und Flora sowie zur Dekontamination in Fukushima finden sich auf:  www.ippnw.ch

Dr. Jean-Jacques Fasnacht, Präsident PSR/IPPNW Schweiz

Dr. Martin Walter, Vorstandsmitglied       

Prof. Andreas Nidecker, Vorstandsmitglied           

Dr. Claudio Knüsli, Vorstandsmitglied                                     

Kontakt

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FMH Innere Medizin / Onkologie
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