Verlassene Strasse in der Geisterstadt Prypyat in der Tschernobyl-Ausschlusszone. Radioaktiv kontaminiertes Gebiet. Wachposten. Bild: IStock, Olena Lialina

Medienmitteilung zum 39. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl

Neue Gefahren – alter Alptraum: Atomkraftwerke im Krieg

Muri, 25. April 2025 – Die Schweizer ÄrztInnen zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW) warnen anlässlich des 39. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe eindringlich vor der akuten Gefahr neuer nuklearer Katastrophen in Kriegsgebieten. Besonders besorgniserregend ist der Vorfall vom 14. Februar 2024 am stillgelegten AKW Tschernobyl: Ein Drohnenangriff beschädigte Teile der äusseren Schutzhülle. In der Folge stieg die Feuchtigkeit innerhalb der Reaktorhülle deutlich an – ein Risiko, das weder kontrollierbar noch kalkulierbar ist.

„Dass ein Ort wie Tschernobyl erneut zur Gefahr für Europa werden kann, hätte man sich vor Jahren nicht vorstellen können“, warnt Jürg Joss, Vorstandsmitglied von PSR/IPPNW Schweiz. „Die IAEA dokumentiert seither wöchentlich die prekäre Lage, aber ihre Möglichkeiten sind beschränkt. Was fehlt, ist politischer Wille.“

AKWs im Krieg: Saporischschja als tickende Zeitbombe

Das unter russischer Kontrolle stehende AKW Saporischschja – Europas grösstes – liegt weiterhin im Zentrum militärischer Spannungen. Stromausfälle, Explosionen und der wiederholte Beschuss in unmittelbarer Nähe erhöhen das Risiko eines nuklearen Super-GAUs. Die WHO hat bereits auf die möglichen katastrophalen Gesundheitsfolgen hingewiesen – auch weit über die Ukraine hinaus.

Atomwaffen und Atomenergie gehören abgeschafft – jetzt!

Die Schweiz hat trotz eindeutiger parlamentarischer Aufträge den UN-Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) immer noch nicht ratifiziert. PSR/IPPNW fordert vom Bundesrat endlich Taten statt Ausreden.

„Tschernobyl war eine Warnung. Saporischschja ist eine Mahnung. Und der Drohneneinschlag 2024 in Tschernobyl zeigt, wie real das Risiko eines neuen atomaren Desasters ist“, so Joss. „Der sicherste Weg, eine atomare Katastrophe zu verhindern, ist der konsequente Ausstieg aus Atomenergie und Atomwaffen weltweit.“