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Der Atom-Filz hat Leuthard schon wieder eingeholt
Tages Woche19.11.2011, 15:46 Uhr
Im «Beirat für die Energiestrategie 2050» des Bundesrats haben offensichtliche und verkappte Verteidiger der Atomenergie die Oberhand. Die dezentrale Energiewirtschaft der Zukunft bleibt ...
Veröffentlicht um 03.12.2011 16:43 von Martin Walter
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Siemens steigt aus
Siemens kündigt Totalausstieg aus Atomgeschäft an Der Siemens-Konzern zieht sich komplett aus dem Atomgeschäft zurück
"Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Konzernchef Peter Löscher dem "Spiegel". Abgezeichnet hatte ...
Veröffentlicht um 03.10.2011 08:21 von Martin Walter
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Atomausstieg mit Wenn und Aber - die NZZ und andere Meinungen.
Was von Kernkraftwerken der vierten Generation zu erwarten ist - und was
nichtIn der Schweiz wird momentan über einen Atomausstieg unter Vorbehalten
diskutiert. Die Befürworter der Kernenergie hoffen auf eine ...
Veröffentlicht um 09.09.2011 11:56 von Martin Walter
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Der widerspenstige Arzt
Claudio Knüsli ist Onkologe und Schweizer Präsident der Ärzte gegen den Atomkrieg. Von Anfang an hat er die Canupis-Studie kritisiert, die keine statistisch aussagekräftigen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen ...
Veröffentlicht um 14.08.2011 11:28 von Martin Walter
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Eisenhowers Warnung.... - NZZ, 18.1.2011
Eisenhowers Warnung vor einem Staat im Staat
Die Abschiedsrede des 34. amerikanischen Präsidenten
hallt auch 50 Jahre später noch nach
Am 17. Januar 1961
verabschiedete sich der amerikanische Präsident Eisenhower ...
Veröffentlicht um 23.01.2011 02:40 von Martin Walter
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Reacting to terrorism - The response should be through law not war
Douglas Holdstock, editor, Medicine Conflict and Survival.
BMJ 2001; 323: 822 13. Oktober 2001
The first reactions of almost everyone to the atrocities in New York and Washington must have ...
Veröffentlicht um 25.09.2010 04:11 von Martin Walter
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Very high mutation rate in offspring of Chernobyl accident liquidators.
H. Sh. Weinberg, A. B. Korol, V. M. Kirzhner, A. Avivi,
T. Fahima, Eviatar Nevo, S. Shapiro, G. Rennert, O.Piatak,
E. I. Stepanova and E. Skvarskaja
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Veröffentlicht um 10.08.2010 10:02 von Martin Walter
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veröffentlicht um 03.12.2011 16:35 von Martin Walter
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03.12.2011 16:43 wurde aktualisiert.
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Tages Woche19.11.2011, 15:46 Uhr
Im «Beirat für die Energiestrategie 2050» des Bundesrats haben offensichtliche und verkappte Verteidiger der Atomenergie die Oberhand. Die dezentrale Energiewirtschaft der Zukunft bleibt hingegen ausgesperrt. Von Niklaus Ramseyer
Insgesamt 16 Fachmänner und 2 Fachfrauen «aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kantonen und Verbänden» bilden seit ein paar Wochen einen «Beirat für die Energiestrategie 2050». Sie sollen unter dem Präsidium der eidgenössischen Energieministerin Doris Leuthard (CVP) höchst persönlich «die Umsetzung der Energiestrategie 2050 begleiten», wie Leuthard mitteilen lässt. «Energiestrategie 2050» meint den langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie, wie ihn die Aargauer CVP-Bundesrätin nach der Katastrophe von Fukushima eingeleitet, und das Schweizer Parlament dann auch beschlossen hat.
Leuthard selber hat den Beirat zusammengestellt. Ob sie dabei nach den eidgenössischen Wahlen bewusst ins alte, atomar verseuchte Fahrwasser zurück navigiert hat, oder von listigen Beratern dorthin gelotst wurde, ist unklar. Ihr Departement teilte auf Anfrage der Westschweizer Zeitung «Le Temps» bloss beschwichtigend mit: Leuthards Ausstiegs-Beirat habe je nur beratende Funktion und entscheide nichts.
Kernkraft-Konzerne doppelt vertreten
Dass in ihrem «Beirat» für den Abschied vom Atom die Atomstrom-Barone krass dominieren, dürfte der letzten CVP-Vertreterin in der Landesregierung indes kaum entgangen sein: Mit Beat Moser von Swisselectric und Michael Frank vom VSE (Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen) sind die grossen Kernkraft-Konzerne im Land gleich doppelt im Beirat vertreten. Der frühere CVP-Stände- und aktuelle AKW-Verwaltungsrat Philipp Stäheli (Gösgen-Däniken) verstärkt die Atom-Fraktion zusätzlich. Peter Grüschow von der Netzgesellschaft Swissgrid vertritt indirekt ebenfalls jene Kernkraftunternehmen, die sich auch nach Fukuschima noch stur gegen den Atom-Ausstieg gewehrt hatten.
Ein Atom-Apologet der Economiesuisse
Ein CVP-Kollege Leuthards ist auch Rolf Soiron, der in der Mitteilung ihres Departements zum Beirat als Vertreter von «Economiesuisse» aufgeführt wird. Der Mann ist indes nicht nur VR-Präsident beim Zementmulti Holcim: Er betont laut «Handelszeitung» auch «bei jeder Gelegenheit die Vorteile von flüssigen Nuklearbrennstoffen und von Thorium». Thorium ist jener futuristische AKW-Brennstoff, den der Freisinn in der Aussteigs-Debatte vorab im Ständerat zwecks Torpedierung der Ausstiegs-Beschlüsse unablässig - aber letztlich erfolglos - zelebriert hatte.
Für Economiesuisse sitzt somit auch ein Atom-Apologet im Beirat. Die unter «Wissenschaft» figurierenden Kernkraft-Professoren im Rat schüren teils ebenfalls unvermindert die Illusionen von künftigen neuen Generationen «sicherer» Atom-Meiler. Aber der Gewerbeverband, der sich vom Atom-Ausstieg und der neuen, dezentralen Energieproduktion zukunftsträchtige Aufträge fürs lokale Gewerbe erhoffen kann: Sollte nicht wenigstens der mit einem entsprechenden Fachmann im Beirat vertreten sein?
Leider auch nein: Enrique Schneider, der in der Namensliste für Leuthards Beirat unter «Gewerbeverband» figuriert, ist nicht etwa ein KMU-Vertreter aus der rasch wachsenden neuen Energiebranche: Er sitzt im Vorstand der Atom-Lobby-Gruppe «Nuklearforum Schweiz». Zwei CVP- und ein SVP-Regierungsrat, welche als Kantons-Vertreter im Beirat hocken, sind auch erst seit einigen Monaten für den Atom-Ausstieg - oder noch immer nicht: Vor Jahresfrist engagierten sie sich jedenfalls noch alle stramm für den Bau neuer AKWs in der Schweiz.
Fachleute für Energiewende in der Minderheit
Fazit: Gut zwei Drittel der Beiräte, welche die Ausstiegs-Vorbereitungen des Bundesamtes für Energie in Leuthards Departement begleiten und begutachten sollen, vertreten den beschlossenen Atom-Ausstieg nur widerwillig - oder gar nicht: Sie werden versuchen die Wende zur neuen, nachhaltigen und dezentralen Energieproduktion möglichst lange zu verzögern - und ihre obsoleten Atommeiler im Land bis zum absoluten Gehtnichtmehr am Netz zu lassen.
Jene Fachleute, welche die Energiewende aus Überzeugung befürworten, wie Professor Rolf Wüstenhagen, der frühere SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf H. Strahm, Hans-Peter Fricker vom WWF oder Raimund Rodewald von der Stiftung für Landschaftsschutz bleiben im Ausstiegs-Beirat derweil hoffnungslos in der Minderheit.
Schlimmer noch: Kompetente Vertreter jener neuen nachhaltigen und dezentralen Energieproduktion, welche die ausgebrannten AKWs ab 2050 ersetzen soll, gingen bei der Installation des Beirates ganz vergessen: Den dezidierten AKW-Gegner, Spezialisten für Windenergie und ehemaligen Basler SP-Nationalrat Ruedi Rechsteiner etwa sucht man auf Leuthards Beirats-Liste ebenso vergebens, wie Vertreterinnen und Vertreter der Grünen. Nicht mit von der Partie ist auch der ausgewiesene Energie-Fachmann und Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer. Schroff übergangen hat Leuthard zudem Greenpeace und die Energiestiftung Schweiz. Aber auch der Wirtschaftsverband der neuen Energieproduzenten «Swisscleantech» bleibt draussen vor der Tür ihres Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) im Bundeshaus Nord.
Der Atomfilz ist schon wieder da
Kurz und schlecht: Fast alle Fachleute und Organisationen, die schon lange vor der Atomkatastrophe in Japan die Gefahren der Atomenergie erkannt, und neue nachhaltige Energieproduktionen propagiert hatten, sollen bei der Umsetzung des beschlossenen Atom-Ausstiegs nicht mitreden können. Das enttäuscht die Mehrheit der Leute im Land, die noch bis zu den Wahlen vom 23. Oktober grosse Hoffnungen in die wundersam von der Aargauer «Atom-Saula» zur nationalen «Ausstiegs-Paula» gewandelten Doris Leuthard gesetzt hatten.
Die krass einseitige Zusammensetzung ihres Ausstiegs-Beirats lässt auch für die längst fällige Entfilzung und unabhängige Gestaltung des Eidgenössischen Nuklearinspektorats (Ensi) nichts Gutes erahnen. Dass «inzwischen der Wind gedreht hat» oder gar das «Vertrauensproblem erkannt» wäre, ist im Beirat jedenfalls nirgends festzustellen. Ganz im Gegenteil: Mit diesem Gremium meldet sich der alte Atom-Filz im Bundeshaus in Bern pünktlich nach den Wahlen gleich wieder unverfroren zurück.
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veröffentlicht um 03.10.2011 08:02 von Martin Walter
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03.10.2011 08:21 wurde aktualisiert.
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Siemens kündigt Totalausstieg aus Atomgeschäft an Der Siemens-Konzern zieht sich komplett aus dem Atomgeschäft zurück
"Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Konzernchef Peter Löscher dem "Spiegel". Abgezeichnet hatte sich der Schlussstrich bereits seit der Atomkatastrophe von Fukushima und der folgenden Kehrtwende in der deutschen Atompolitik. Doch nach dem kostspieligen Bruch mit dem französischen Kernkraft-Partner Areva konnte Siemens es sich nicht auch noch mit Rosatom verscherzen. Jetzt lassen die Russen die Münchner in eine atomfreie Zukunft ziehen. Nach Angaben eines Konzernsprechers kostet der Abschied Siemens keinen Cent.
Die Entscheidung sei die Antwort seines Unternehmens "auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie", sagte Löscher dem "Spiegel". Anstatt des geplanten Atom-Joint-Venture mit Rosamtom komme nun eine Zusammenarbeit "auf anderen Feldern" in Betracht.
Dabei hatte Löscher ursprünglich das Ziel, gemeinsam mit Rosatom Marktführer im weltweiten Atomenergiegeschäft zu werden. Anstatt sich am Bau kompletter Atomkraftwerke zu beteiligen, könnte Siemens nun Komponenten wie Dampfturbinen liefern, die auch bei konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen. "Wenn Rosatom mit einer entsprechenden Bitte auf uns zukommt, werden wir sie sicher nicht abschlagen", sagte dazu ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur dpa.
Genau das kritisierten jedoch umgehend Atomkraftgegner. "Wir begrüßen es sehr, dass Siemens künftig keine Atomtechnik mehr herstellen will. Allerdings ist es dann inkonsequent, wenn der Konzern weiterhin Turbinen und Generatoren für Atomkraftwerke liefern will", erklärte Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt". "Wir fordern Siemens auf, vollständig auf das Geschäft mit AKWs zu verzichten."
Siemens habe lange Gespräche mit den Rosatom-Managern geführt, sagte ein Konzern-Sprecher. "Sie verstehen, dass ein Unternehmen mit deutschen Wurzeln der Entscheidung der Bundesregierung (zur Energiewende) Rechnung tragen muss."
Nachdem die Strafzahlung für den Ausstieg bei Areva Siemens mit 682 Millionen Euro inklusive Steuern teuer zu stehen kam, war den Münchnern an einem einvernehmlichen Rückzug gelegen. Zudem gehört Russland zu den aufstrebenden Ländern, in denen sich Siemens in den nächsten Jahren auf anderen Gebieten bedeutendes Wachstum erhofft.
Die beabsichtigte Energiewende in Deutschland stufte Löscher im "Spiegel"-Interview als "Jahrhundertprojekt" ein: Das Ziel, den Ökostrom-Anteil bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, hält er für erreichbar.
Auch in der Euro-Diskussion unterstützt Löscher den Kurs von Angela Merkel. "Wir stehen voll hinter der weiteren europäischen Integration und den Europazielen der Bundeskanzlerin", sagte der Siemens-Chef dem "Spiegel". Er rechne nicht mit einem Zerfall der Euro-Zone. "Dieser Fall wird nicht eintreten", sagte Löscher. "Davon bin ich überzeugt".
"Stern" (18. September 2011, 15:27 Uhr) |
veröffentlicht um 08.09.2011 06:05 von Martin Walter
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09.09.2011 11:56 wurde aktualisiert.
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Was von Kernkraftwerken der vierten Generation zu erwarten ist - und was
nicht
In der Schweiz wird momentan über einen Atomausstieg unter Vorbehalten
diskutiert. Die Befürworter der Kernenergie hoffen auf eine Technologie, die
auf dem Papier viel verspricht.
Christian Speicher - NZZ 07.09.2011 Seite 63
Das Reaktorunglück von Fukushima hat Bewegung in die Debatte um die
Kernenergie gebracht. Während einige Länder am Bau neuer Reaktoren festhalten,
deutet in der Schweiz derzeit alles auf einen Atomausstieg hin. Zwar sollen die
bestehenden Anlagen nicht vorzeitig abgeschaltet werden. Für den Neubau von
Reaktoren, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen, gibt es aber keine
politische Mehrheit. Ganz scheint man sich die Möglichkeit für eine Rückkehr
zur Kernenergie allerdings nicht verbauen zu wollen. So hat die
Energiekommission des Ständerats vergangene Woche für einen Atomausstieg ohne
Technologieverbot plädiert. Demnach könnte die Kernenergie wieder zu einer
Option werden, wenn die nächste Generation von Reaktoren gewisse Auflagen
erfüllt.
Auflagen für neue Reaktoren
Zwar müssen diese Auflagen noch konkretisiert werden. Aus verschiedenen
Wortmeldungen geht aber hervor, dass es vor allem um die Sicherheit zukünftiger
Reaktoren und das Problem der Endlagerung geht. Selbst im unwahrscheinlichen
Fall einer Kernschmelze, so wird gefordert, sollten die Folgen auf das
Kraftwerk beschränkt bleiben. Ausserdem sollen die neuen Reaktoren keinen
Atommüll mehr produzieren, der über geologische Zeiträume gelagert werden muss.
Das sind Forderungen, die mit heutiger Technik nur teilweise zu erfüllen sind.
Die Hoffnungen ruhen daher auf einer vierten Generation von Reaktoren, an der
gegenwärtig geforscht wird. Die Kernenergie hat sich seit ihren Anfängen
kontinuierlich weiterentwickelt. Auf die erste Generation von Reaktoren folgte
in den 1970er Jahren die zweite. Dabei setzte sich das Konzept eines
wassergekühlten Leichtwasserreaktors durch, in dem angereichertes Uran mittels
langsamer Neutronen gespalten wird. Auch die dritte Generation von Reaktoren,
die gegenwärtig gebaut wird und teilweise schon in Betrieb ist, hält an diesen
Prinzipien fest. Die Reaktoren bestehen aus erprobten Komponenten und operieren
unter ähnlichen Bedingungen wie ihre Vorgänger. Die Weiterentwicklung betrifft
vor allem die Sicherheitssysteme. So verfügen einige der neuen Reaktoren über
eine passive Kühlung, die auch bei einem Stromausfall funktioniert. Andere
Reaktoren der dritten Generation wie der europäische Druckwasserreaktor
besitzen eine doppelwandige Schutzhülle aus Stahlbeton, vierfach redundante
Notkühlsysteme sowie eine Vorrichtung, die bei einer Kernschmelze das
geschmolzene Material auffangen soll. Durch solche Verbesserungen beträgt die
Wahrscheinlichkeit für eine Kernschmelze einen Zehntel bis einen Hundertstel
von derjenigen der sichersten Reaktoren der zweiten Generation. Und wenn der
Ernstfall dennoch eintritt, sollen die Schutzbarrieren das radioaktive Material
zurückhalten. Für Jean-Marc Cavedon, der am Paul-Scherrer-Institut in Villigen
die Abteilung für nukleare Energie- und Sicherheitsforschung leitet, stellt die
dritte Generation den Kulminationspunkt von 30 Jahren Sicherheitsforschung dar.
Trotzdem ist in den letzten Jahren die Erforschung von alternativen
Reaktorkonzepten intensiviert worden. Den Anstoss dazu gab die amerikanische
Regierung. Auf Initiative des Energieministeriums schlossen sich im Jahr 2001
neun Länder zum internationalen Forum Generation IV zusammen, um gemeinsam die
Erforschung der nächsten Reaktorgeneration voranzutreiben. Seit 2002 gehört
auch die Schweiz diesem Forum an. Zwar wird von den Reaktoren der vierten
Generation gefordert, dass sie mindestens so sicher sein müssen wie jene der
dritten Generation. Der Sicherheitsaspekt sei aber nicht der zentrale Punkt
gewesen, der den Anstoss zur Entwicklung neuer Reaktoren gegeben habe, sagt
Cavedon. Im Zentrum standen Kriterien wie eine effizientere Nutzung des
Brennstoffs, eine Senkung des Proliferationsrisikos sowie eine Reduzierung der
radioaktiven Abfälle. Nicht zuletzt spielten auch wirtschaftliche Überlegungen
eine wichtige Rolle.
Die Qual der Wahl
Zu den ersten Aufgaben des Forums gehörte es, aus über 130
vorgeschlagenen Reaktorkonzepten 6 auszuwählen, die den obigen Kriterien
genügen. Alle weichen erheblich von den heutigen Leichtwasserreaktoren ab. So
handelt es sich bei 4 der 6 Reaktoren um Hochtemperaturreaktoren, die bei
wesentlich höheren Temperaturen arbeiten als die heutigen. Das hat einen
höheren Wirkungsgrad zur Folge und erlaubt es, gleichzeitig Strom und Wärme für
industrielle Prozesse zu produzieren. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal ist
die Energie der Neutronen, die die Kernspaltung aufrechterhalten.
Währendheutige Reaktoren in der Regel mit langsamen (moderierten)Neutronen
operieren, beruhen 4 der 6 neuen Reaktorkonzepten auf schnellen Neutronen. Das
hat zwei Vorteile. Zum einen schont es die Uranressourcen, weil mit schnellen
Neutronen spaltbares Plutonium aus Natururan erbrütet werden kann und sich so ein
wesentlich höherer Prozentsatz des Urans nutzen lässt. Zum anderen verringert
sich die Menge des radioaktiven Abfalls. Denn die schnellen Neutronen spalten
neben dem Plutonium auch andere langlebige Transurane, die beim Betrieb eines
Reaktors anfallen.
Cavedon schätzt, dass schnelle Reaktoren im Verbund mit einer
Wiederaufbereitung des Brennstoffes einen Hundertstel der Abfallmenge
produzieren könnten, den heutige Reaktoren ohne Wiederaufbereitung produzieren.
Sein Kollege Martin Zimmermann, der am PSI das Labor für Reaktorphysik und
Systemverhalten leitet, widerspricht aber der von Politikern geäusserten
Vorstellung, man könne alle langlebigen Spaltprodukte in kurzlebige umwandeln,
so dass der Abfall nur noch eine Menschengeneration gelagert werden müsse. Das
seien Träumereien, die sich schon aus Kostengründen nicht realisieren liessen.
Alte Technik in neuem Kleid?
Auch wenn die Konzepte für die Reaktoren der vierten Generation bewusst
von der heutigen Technologie Abschied nehmen, so sind sie doch keineswegs neu.
Fast alle beruhen sie auf Ideen, die bereits in der Vergangenheit verfolgt
wurden, sich aber nicht gegen die Leichtwasserreaktoren durchsetzen konnten.
Für Heinz Smital, einen Kernphysiker in Diensten von Greenpeace, spricht das
Bände. Es sei ein Offenbarungseid, wenn die Verlierer von gestern jetzt als der
grosse Fortschritt verkauft würden. Smitals Kritik richtet sich zum Beispiel
gegen das Konzept eines natriumgekühlten schnellen Reaktors, auf dem derzeit
besonders grosse Hoffnungen ruhen. Erst im vergangenen November hatte die
französische Regierung bekanntgegeben, eine erste Tranche von 650 Millionen
Euro in die Entwicklung eines Prototyps investieren zu wollen. Damit steckt
Frankreich viel Geld in eine Technologie, die in der Vergangenheit mehrfach für
negative Schlagzeilen gesorgt hat. Smital verweist auf den natriumgekühlten
Monju-Reaktor in Japan, bei dem 1995 das Kühlmittel Feuer fing. Der Reaktor
wurde daraufhin für 15 Jahre ausser Betrieb genommen. Auch der französische
Superphénix-Reaktor, ebenfalls ein natriumgekühlter schneller Brüter, sei bis
zu seiner Stilllegung im Jahr 1997 sehr unzuverlässig gewesen, sagt Smital.
Dass sich eine Technologie mit derart grundlegenden Problemen auf dem Markt
durchsetzen könne, hält er für utopisch. Dass ein Reaktor mit Natriumkühlung
nicht unproblematisch sei, bestätigt auch Cavedon. Allerdings habe man aus den
Fehlern der Vergangenheit gelernt. Die Konzepte, die heute im Zusammenhang mit
der vierten Reaktorgeneration diskutiert würden, beruhten zwar auf der gleichen
Physik wie frühere Reaktoren. In technologischer Hinsicht seien die Konzepte
aber erheblich weiterentwickelt worden. Bis man sich ein einigermassen
verlässliches Bild von den Reaktoren der vierten Generation machen kann, wird noch einige Zeit vergehen. Selbst
wenn ein erster Prototyp bis 2020 gebaut werden sollte, könnte es noch einmal
20 bis 30 Jahre dauern, bis die
Technologie marktreif ist. Deshalb verfolgt Zimmermann die derzeitige
politische Diskussion in der Schweiz mit Befremden. Er habe Mühe damit, dass
der vierten Generation der Vorzug vor
der dritten gegeben werde, obwohl sich ihre Sicherheit bis jetzt noch gar nicht
beurteilen lasse.
und NZZ 8.9.2011 Seite 17 Dissens zum Atomausstieg
Ständeräte nicht mehr einig
wab. Bern · Die vor einer Woche demonstrierte Einigkeit in
der Energiekommission des Ständerats hatte eine kurze Halbwertszeit. Die
Kommission hat am Mittwoch in einer zweiten Lesung zuvor beschlossene
Änderungen an drei Motionen aus dem Nationalrat zwar bestätigt. Bewilligungen
für neue AKW werden demnach nur ausgeschlossen, soweit es sich um Anlagen der
«heutigen Generation» handelt (NZZ 31. 8. 11). SP, Grüne und Grünliberale
tragen diese Einschränkung nun aber nicht mehr mit, sie wollen zur
ursprünglichen Fassung der CVP-Motion im Nationalrat zurückkehren. Sie
unterlagen in der Kommission mit 10 zu 3 Stimmen. Im Ständerat, der am 28.
September entscheiden wird, dürfte es indes knapper werden, weil sich dort auch
in den bürgerlichen Reihen Skeptiker der Atomtechnologie befinden.
Hoffnung auf neue Techniken Ein Grund für den neu aufgebrochenen Dissens ist, dass keine
Einigkeit darüber zu erzielen war, welche Auflagen eine künftige neue Generation
von Atomanlagen erfüllen müsste, wie Kommissionspräsident Rolf Schweiger (Zug,
fdp.) auf Anfrage bestätigte. Die bürgerliche Mehrheit wolle primär
sicherstellen, dass die von Energieministerin Doris Leuthard nach Fukushima
sistierten Verfahren zur Behandlung dreier Gesuche für neue AKW definitiv
eingestellt werden könnten. Angesichts der Dynamik in der technischen
Entwicklung wolle sie aber nicht alle Türen verschliessen und auch keine
Aussagen machen, bis wann neue Techniken in akzeptabler Form verfügbar werden
könnten. Aus heutiger Sicht sei es unwahrscheinlich, dass sie bis zum Ende der
Lebensdauer der drei ältesten AKW in Beznau und Mühleberg bereit sein würden,
räumte Schweiger ein. Dies gelte aber primär für Grosskraftwerke. Kleine Werke
mit anderen Brennstoffen als Uran seien eher denkbar. Ein endgültiges Verbot
lehne die Mehrheit daher ab; es müsste ihrer Meinung nach auch in der
Verfassung und nicht nur in einem Gesetz verankert werden.
Grüne werben für Initiative
Dass für die Mehrheit auch Umrüstungen bestehender Werke in
Frage kämen, um die noch gar nicht konkretisierten Anforderungen zu erfüllen,
bestritt Schweiger indes. Die Grüne Partei äusserte diese Befürchtung in einem
Communiqué, in dem sie gegen den Kommissionsentscheid protestierte. Die Grünen
haben bereits eine Volksinitiative für einen raschen und verbindlichen
Atomausstieg lanciert.
Da ist aber doch noch was anderes zu lesen in der Presse: Die WOZ (08.09.2011) mit: "Die Halbwertszeit des Schreckens" Von Susan Boos, WOZ vom 08.09.2011 Jede Wurst, jede Tomatenbüchse, jede Senftube trägt in den Verkaufsregalen ein Verfallsdatum. Dinge verderben, nur wissen wir nicht, wann, und behelfen uns mit Verfallsdaten. Eine kluge Erfindung, die das Leben sicherer macht. Atomkraftwerke kennen kein Verfallsdatum. Mindestens nicht diejenigen, die in der Schweiz in Betrieb sind. Zwar wird zurzeit viel vom Atomausstieg gesprochen. Der Nationalrat will ihn angeblich. Die vorberatende Kommission des Ständerats will ihn halb, weil sie nur Atomkraftwerke «der heutigen Generation» verbieten möchte. Die grünliberale Zürcher Ständerätin Verena Diener, die selber der Kommission angehört, findet das nicht so schlimm und sagt, man wolle ja nur «ein Spältli» offenhalten. SP-Fraktionspräsidentin Ursula Wyss pflichtet bei und sagt fröhlich in die Kamera: «Wesentlich ist, dass jetzt aus der Atomtechnologie ausgestiegen wird.» Der Vorschlag dürfte im Ständerat und später auch im Nationalrat durchkommen. Viele werden glauben, wir hätten den Atomausstieg – vielleicht ein bisschen verwässert, aber immerhin. Irrtum. Wir haben nichts. Weil eben Schweizer AKWs kein Verfallsdatum haben. Ohne Verfallsdatum dürfen sie am Netz bleiben, solange ihre Sicherheit gewährleistet ist. Nur lässt sich das schwer festmachen, weil man erst sicher weiss, dass etwas nicht mehr sicher war, wenn es kaputt ist. Wie bei der Wurst, die man nach diesem Prinzip so lange im Regal liesse, bis sie nachweislich verdorben wäre. Das wäre ein umweltfreundlicher Akt, müsste man doch viel weniger Lebensmittel entsorgen, die noch bekömmlich sind. Menschenfreundlich wäre es nicht, denn Lebensmittelvergiftungen sind fatal. Kernschmelzen auch. In Deutschland hat man den Ausstieg, weil jedes Atomkraftwerk eine klar definierte Laufzeitbeschränkung hat. Das ist gut, denn so kann man sich vernünftig auf die Zeit danach vorbereiten. Einen solchen Ausstieg bräuchte die Schweiz. Den bekommt sie aber nur mit der Initiative «Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie», die vorschreibt, dass nach 45 Jahren jedes AKW vom Netz muss. Dann wäre da noch Verena Dieners «Spältli», das der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse als «weitsichtigen Entscheid» lobt. Das Spältli hat etwas Perfides: Denn was heisst «AKW der heutigen Generation»? In der Schweiz sind Reaktoren der sogenannt zweiten Generation in Betrieb – eine Technologie, die aus dem letzten Jahrtausend stammt. Die neuen Reaktoren, die in Finnland und Frankreich gebaut werden, gehören zur dritten Generation. Es sind modifizierte Modelle der zweiten Generation. Bei diesen Neubauten sieht man, wie schwierig es ist, ein altes Modell auf neuer zu trimmen – der Bau wird viel teurer als geplant, und die Sicherheit ist höchst umstritten. Bürgerliche PolitikerInnen schwärmen zurzeit von der sogenannten vierten Generation. Das Generation IV International Forum (GIF), dem auch die Schweiz angehört, widmet sich dieser Generation. Allerdings verfolgt das GIF Reaktorkonzepte, an denen nicht viel Neues ist. Die Konzepte wurden schon in den fünfziger Jahren entwickelt, sie haben sich aber nie durchgesetzt, weil sie zum Teil schier unlösbare Sicherheitsprobleme mit sich bringen, wie zum Beispiel die Brütertechnologie: Der Superphénix, der Schnelle Brüter von Frankreich, verschlang Milliarden, bevor er stillgelegt wurde; in Japan stand der Brutreaktor Monju nach einem Brand jahrelang still. Andere Alternativen wie der Thoriumreaktor werden kaum je wirtschaftlich sein. Ob sie sicher sein könnten, weiss heute kein Mensch. Und Atomabfall werden auch sie produzieren. Die angeblich neuen Reaktoren basieren auf alten Ideen, die niemand weiterverfolgt hat, weil es zu gefährlich oder nicht wirtschaftlich war. Durch das Spältli könnte aber die dritte Generation wieder ins Spiel gebracht werden. Und dann wären wir wieder am Punkt null, dort, wo wir vor dem 11. März 2011 waren – nur ein halbes Jahr nach den drei Super-GAUs in Fukushima. Die Halbwertszeit des Schreckens ist wirklich überraschend kurz.
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veröffentlicht um 14.08.2011 11:06 von Martin Walter
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14.08.2011 11:28 wurde aktualisiert.
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Claudio Knüsli ist Onkologe und Schweizer Präsident der Ärzte gegen den Atomkrieg. Von Anfang an hat er die Canupis-Studie kritisiert, die keine statistisch aussagekräftigen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kinderleukämie und AKW fand.
Von Felix Straumann, Tagesanzeiger, 23.7.2011
Kann ein Schwyzerörgeli tatsächlich erklären, was diesen Mann antreibt? Claudio Knüsli sitzt im Musiktherapieraum des Basler St.-Clara-Spitals und gibt dem anwesenden Journalisten den Ländler «S Arther Grüessli» zum Besten. Für ein paar Minuten wirds lüpfig im Zimmer.
Der Arzt und profilierte Atomkritiker spricht über sein mehr als hundertjähriges Instrument genauso engagiert wie über seinen Beruf als Krebsmediziner und seinen Einsatz gegen die Atomkraft und als Präsident der Schweizer Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW, International Physicians for the Prevention of Nuclear War). Er ist begeistert vom warmen Ton, dem Holz, aus dem es gebaut ist, dem Innenleben, das die Musik erzeugt. Für ihn ist das Schwyzerörgeli – das er auch Handharmonika nennt – ein Sinnbild für seine Suche nach Harmonie. «Ich bin ein Mensch, der unruhig wird, wenn etwas nicht aufgeht», sagt er. Ein Harmoniebedürftiger also? Das dürften nicht alle so sehen. Insbesondere etablierte Wissenschaftler wie zum Beispiel Matthias Egger.
Vergangene Woche, als er an der Universität Bern die Resultate der Canupis- Studie zum Kinderkrebsrisiko von Schweizer AKW den Medien präsentierte, konnte man in Eggers Mimik für einen Bruchteil einer Sekunde ein unwillkürliches «Nicht schon wieder» ablesen, als Claudio Knüsli zu einer kritischen Frage ansetzte. Andere beklagen hinter vorgehaltener Hand die «penetrante Hartnäckigkeit» Knüslis und die stellenweise «mühsame» Auseinandersetzung mit ihm. Unerwartet harte Worte über den im Umgang sympathischen und einnehmenden Onkologen. Es wird jedoch klar: Das Schwyzerörgeli steht nicht für Knüslis Harmoniesuche, sondern für die Hartnäckigkeit, mit der sich der 60-jährige Vater von vier Kindern in ein Thema festbeissen kann.
«Es gibt keine sichere Dosis»
Dass die Canupis-Studie keine statistisch aussagekräftigen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kinderleukämie und Atomkraftwerken gefunden hat, ist für Claudio Knüsli nicht darauf zurückzuführen, dass tatsächlich kein Zusammenhang besteht. Für ihn sind einzig Mängel in der Studie der Grund für das Resultat. Schon während die Studie lief, stritt er mit den Autoren mehrfach über die Fallzahl, die seiner Ansicht nach zu niedrig ist für einen statistisch aussagekräftigen Befund. Knüslis Befürchtung: Die Studie findet aus methodischen Gründen nichts und gibt – aus seiner Sicht fälschlicherweise – Entwarnung. Er unterstellt den Studienautoren dabei nicht, dass sie eine politische Agenda hätten oder von der Atomlobby gesteuert wären.
«Doch man muss wachsam bleiben. Oft herrscht auch bei Forschern Wunschdenken», sagt er.
Knüslis Büro und Behandlungszimmer im ersten Stock des Basler Privatspitals ist einfach und funktional eingerichtet. Beim Betreten bemerkt man als Erstes ein Brett aus hellem Arvenholz in der Mitte des Raums, das vom Boden bis zur Decke reicht. Der Onkologe mag nicht ohne Holz sein. Das Material bedeutet für ihn Kraft und Naturverbundenheit. Bereitwillig erzählt er von seiner Arbeit und über seine Motivation. Schnell wird deutlich: Knüsli hält es für erwiesen, dass AKW im Normalbetrieb krebserregend sind: «Weltweit deuten sehr viele Beobachtungen darauf hin.» Mit dieser Ansicht widerspricht er der Mehrheit der Krebsfachleute und Epidemiologen. Doch das stört ihn auch nicht. Er sieht sich als Vorreiter und verweist darauf, dass noch in den 1950er- Jahren Ärzte bei unklaren Zwillingsschwangerschaften Frauen geröntgt haben – bis eine Studie ein dadurch um 40 Prozent erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern feststellte. «Weil man das herausgefunden hat, sind die Strahlenschutzbestimmungen in der Medizin heute so streng», sagt er. Doch auch heute gehen Fachleute davon aus, dass beispielsweise die Strahlenbelastung von Computertomografen die Krebshäufigkeit um mehr als ein Prozent erhöht. Dass dabei über eine mehr als hundertfach höhere Strahlungsmenge gesprochen wird, als dies ein AKW während eines Jahres im Normalbetrieb abstrahlt, hindert Knüsli nicht daran, Analogien zu ziehen: «Es gibt keine untere sichere Strahlendosis. Wenn Sie sehr viele Leute mit einer sehr kleinen Dosis bestrahlen, führt dies ebenfalls zu einer Krebshäufung.»
Verfechter der Schulmedizin
Bei aller Kritik an Knüsli hat er den Respekt vieler, die nicht seiner Meinung sind. «Ich schätze die Organisation IPPNW sehr und habe Claudio Knüsli sehr ernst genommen», sagt Rolf Marti, Leiter des wissenschaftlichen Sekretariats bei der Krebsliga, die die Hälfte der Canupis-Studie finanziert hat. «Er erhielt beim Projekt deshalb eine Extrabehandlung.» Zudem ist Knüsli bei weitem kein abgehobener Esoteriker. «Ich bin ein klarer Verfechter der Schulmedizin und wissenschaftlicher Studien», sagt der Leitende Arzt am St.-Clara-Spital, wo er seit bald 20 Jahren Krebspatienten betreut und behandelt. Während seiner Assistenzzeit hat er ein Jahr lang in London am Royal Free Hospital im Labor geforscht, später war er an verschiedenen klinischen Forschungsprojekten beteiligt. Gegenüber Studien von Krebsmedikamenten, die oft von Pharmafirmen durchgeführt werden, ist der Onkologe allerdings weniger kritisch als gegenüber Untersuchungen wie Canupis. «Medikamentenstudien werden heute nach sehr stringenten Kriterien abgewickelt», sagt er. Man müsse sie gut lesen. Doch gebe es die Fachgesellschaften, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung (SAKK) sowie die Krebsliga, die sehr gut vernetzt seien und das alles auch genau prüfen würden.
9/11 als Schlüsselerlebnis
Seine Tätigkeit als Onkologe versucht Knüsli strikt zu trennen von seinem Engagement bei der Schweizer Sektion der IPPNW, die er seit 2005 präsidiert. Innerhalb der internationalen Organisation IPPNW — die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde — war die Schweizer Sektion immer etwas eigenwillig. Sie war von Beginn weg als fast einzige nicht nur gegen den Atombombenbau, sondern auch gegen die zivile Nutzung der Atomenergie. Das sei ein «siamesischer Zwilling» heisst es auf der Website, weil die zivile Nutzung wesentlich zur Verbreitung des Bombenbaus beitrage. Erst 1999 übernahm auch die Mutterorganisation diese Haltung. Claudio Knüsli auf atomkritischen Kurs gebracht haben laut eigener Aussage die Anschläge vom 11. September 2001. «Weil ich damals praktisch am gleichen Tag im Flugzeug sass, ging mir das besonders unter die Haut», erinnert er sich. Durch einen IPPNW-Kongress über die Sicherheit von AKW bei Flugzeugabstürzen sei er zum ersten Mal richtig zur Organisation gestossen und habe sich gleich intensiv mit den Spätfolgen von Tschernobyl beschäftigt. Dadurch sei er auch auf das Thema der Schäden durch niedrig dosierte AKW-Strahlung gekommen, was ihn bis heute beschäftigt – weit mehr als andere Aspekte wie Sicherheit, Endlager oder Uranabbau, die Atomkritiker sonst umtreiben.
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veröffentlicht um 23.01.2011 02:22 von Martin Walter
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23.01.2011 02:40 wurde aktualisiert.
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Eisenhowers Warnung vor einem Staat im Staat
Die Abschiedsrede des 34. amerikanischen Präsidenten
hallt auch 50 Jahre später noch nach
Am 17. Januar 1961
verabschiedete sich der amerikanische Präsident Eisenhower mit einer
Fernsehansprache von seinen Mitbürgern und seinem Amt. Die berühmt gewordene Rede
hat noch heute einen aktuellen Klang.
Ronald D. Gerste, Washington
Vor 50 Jahren sahen die Amerikaner fasziniert einem
Epochenwechsel entgegen. Ein junger, charismatischer Präsident mit einer
sympathischen Familie stand kurz vor seiner Amtseinführung. Während John F.
Kennedy die Zukunft verkörperte, wirkte der seine letzten Tage im Weissen Haus
verbringende Vorgänger wie eine liebenswürdige Erinnerung an vergangene, bald
verklärte Zeiten. Der grossväterliche Dwight D. Eisenhower hatte die USA durch
acht Jahre des Friedens und der Prosperität geführt; unter seiner Ägide war für
Millionen von Amerikanern der Traum vom Häuschen in der Vorstadt, vom Fernseher
im Wohnzimmer und vom chromblitzenden Chevrolet oder Cadillac in der Garage
Wirklichkeit geworden, während sich die Teenager am Rock'n'Roll und an
Leinwandheroen wie James Dean und Marlon Brando begeisterten.
«Unbefugte Macht»
Doch Eisenhower, der als Oberkommandierender der
alliierten Streitkräfte 1944/45 der militärische Verantwortliche für die Befreiung
Europas von der Nazi-Tyrannei gewesen war, mochte kein rosarotes Bild der
Gegenwart zeichnen, keine selbstzufriedene Bilanz ziehen. Der Präsident machte
sich bereit, seinen Landsleuten eine Mahnung mit auf den Weg zu geben, die
unvergessen ist und die seine Abschiedsrede («farewell address») zu einer der
beiden berühmtesten Ansprachen dieser Art machte - neben jener des
Gründervaters George Washington, der seine Mitbürger 1797 davor warnte, die
junge Nation durch Allianzen in die Querelen des alten Europa hineinziehen zu
lassen.
Eisenhower sprach am Abend des 17. Januar 1961 im
Fernsehen und kam nach allgemeinen Bemerkungen zur Lage der Nation zu seinem
Anliegen: «Wir müssen auf der Hut sein vor unberechtigten Einflüssen des
militärisch-industriellen Komplexes, ob diese gewollt oder ungewollt sind. Die
Gefahr für ein katastrophales Anwachsen unbefugter Macht besteht und wird
weiter bestehen. Wir dürfen niemals zulassen, dass das Gewicht dieser
Kombination unsere Freiheiten oder unseren demokratischen Prozess bedroht.» Die
Mahnung vor dem Militär und der Rüstungsindustrie war vor allem deshalb so
authentisch - und für viele Zuhörer so überraschend -, da sie aus dem Munde
eines Mannes kam, der fast sein gesamtes Berufsleben in Uniform verbracht
hatte, von seinem Eintritt in die Militärakademie West Point 1911 bis zu seinem
Abschied aus der Armee 1952 vor seiner Kandidatur für die Präsidentschaft.
Friedensperiode
Doch den Ex-General bewegte schon seit längerem die
Gefahr, dass unter dem Szenario ständiger äusserer Bedrohungen - zu seiner Zeit
als General durch die Japaner und Nazideutschland, später durch die Sowjetunion
und China - die im Zweiten Weltkrieg gigantisch gewachsene Rüstungsindustrie eine
Art Staat im Staate werden könnte. Schon im April 1953, nur drei Monate nach
seiner Amtsübernahme, hatte Eisenhower in einer Rede vor Zeitungsverlegern
beklagt, dass «jede Kanone, die hergestellt wird, jedes Kriegsschiff, das vom
Stapel läuft, jede Rakete, die gestartet wird, ein Diebstahl von jenen ist, die
hungern und denen nichts zu essen gegeben wird, die frieren und die nicht
gekleidet werden». Die Rüstungsausgaben einer jeden Nation «verschwenden den
Schweiss ihrer Arbeiter, den Genius ihrer Wissenschafter, die Hoffnungen ihrer
Kinder». Für einen Berufssoldaten waren dies erstaunliche Worte.
Vielleicht waren Eisenhowers eigene Erfahrung mit dem
Krieg und seine Aversion gegen die Rüstungsindustrie ein Grund, warum seine
Jahre im Weissen Haus (Januar 1953 bis Januar 1961) zu den friedlichsten der
modernen amerikanischen Geschichte gehören. Das Militär wurde in dieser Zeit
nur vereinzelt zu kurzen Aktionen wie der Landung von Marines in Libanon 1958
eingesetzt. Doch ein Gefühl wirklicher nationaler Sicherheit machte sich bei
den Amerikanern nicht breit: Die fünfziger Jahre waren auch die Zeit des mit
dem Namen McCarthy verbundenen Kongressausschusses gegen «unamerikanische
Umtriebe» (sprich: kommunistische Subversion), des «Sputnik-Schocks» und der «Bomberlücke»,
aus der im Wahlkampf 1960 die «missile gap», die vermeintliche Unterlegenheit
der USA gegenüber der Sowjetunion bei strategischen Raketen, wurde.
Das 50-Jahr-Jubiläum der Abschiedsrede Eisenhowers
beschäftigt seit Wochen diverse Kommentatoren, hat zur Freigabe wichtiger
Archivdokumente zu ihrer Entstehung geführt und wird mit einem
wissenschaftlichen Symposium in Washington gewürdigt. Doch bei vielen damaligen
Zeitgenossen verpuffte die Wirkung schnell. Der neue Präsident, Kennedy, hatte
im Wahlkampf höhere Verteidigungsausgaben, nukleare Aufrüstung und den Sieg im
Rennen ins Weltall gefordert, und er hielt sich nach seiner Vereidigung daran.
In der Rückschau wird heute in den USA vor allem über
ihre Aktualität diskutiert. James Ledbetter, der ein Buch über Eisenhower und
den militärisch-industriellen Komplex geschrieben hat, resümiert ernüchtert:
«In den letzten 50 Jahren gab es wenige Jahre, in denen die USA weniger Geld
für das Militär ausgegeben haben als im Jahr zuvor. Das ist so geblieben, unabhängig
davon, ob das Land einen Krieg führt, ob es einen erkennbaren und gut
bewaffneten Gegner gibt und ob Demokraten oder Republikaner im Weissen Haus und
im Kongress das Sagen haben. Trotz regelmässigen Erwartungen, dass sich die USA
einer Friedensdividende erfreuen könnten, geben wir nach wie vor mehr für das
Militär aus als die Länder mit den nächsten 15 höchsten Verteidigungsbudgets.»
Andrew Bacevich sieht in der Zeitschrift «Atlantic
Monthly» für die Gegenwart eine Fortsetzung der von Eisenhower beschworenen
Achse bis in den Kongress hinein, in dem die Lobbyisten der Rüstungsindustrie
bekanntlich nicht gerade einflusslos sind: Dank seinen Verbündeten bleibe der
militärisch-industriell-legislative Komplex gegen jede Veränderung resistent -
eine Tatsache, die Präsident Obama in seinem ersten Jahr im Amt habe lernen
müssen.
Mahnung zur Wachsamkeit
Eisenhower hatte indes bei seiner «farewell address» auch
die Remedur, quasi das Gegengift gegen den krakenhaften Machtanspruch des
militärisch-industriellen Komplexes, parat: «Nur eine aufmerksame und
kenntnisreiche Bürgerschaft kann eine angemessene Verbindung der riesigen
industriellen und militärischen Maschinerie der Verteidigung mit unseren
friedlichen Zielen und Methoden sicherstellen, so dass Sicherheit und Freiheit
zusammen gedeihen können.» Wahrscheinlich hätte dem alten General die heutige
Präsenz allgegenwärtiger Nachrichtensender, investigativer Journalisten und
aufmerksamer Blogger Respekt abgenötigt.
Präsident Eisenhower beschränkte nach dem Abschied vom
Amt seine Beziehung zu allem Militärischen darauf, dass er bis zu seinem Tod
1969 zusammen mit seiner Gattin Mamie auf einer Farm in Gettysburg am Rande des
berühmten Bürgerkriegsschlachtfeldes wohnte. Er erlebte noch mit, wie die USA
und ihr Militär in den Treibsand von Vietnam gerieten - einen Krieg,
anscheinend ohne Ende und ohne Ausweg, jene Art von Konflikt, die Eisenhower
als Präsident um jeden Preis zu vermeiden suchte.
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veröffentlicht um 10.08.2010 10:04 von David Walter
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aktualisiert 25.09.2010 04:11 von Martin Walter
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Douglas Holdstock, editor, Medicine Conflict and Survival.
BMJ 2001; 323: 822 13. Oktober 2001
The first reactions of almost everyone to the atrocities in New York and Washington must have been horror and sadness, followed, understandably, by anger, fear and, for many, the urge for revenge. Deep sympathy for the victims and their families will continue, but there will be controversy over the relative role of military action and of a more measured response.
Military action has begun. Currently this is being directed at the Taliban's (fairly limited) armed forces and al-Qaida training camps. There are said to be no immediate plans for undercover "special forces" to capture Osama bin Laden. Calls for a massive attack on other countries supporting Islamic terrorists, including Iraq, Lebanon, and Syria, seem to have subsided. Even this more limited strategy has drawbacks. There have already been deaths; time will show how many of these are Taliban fighters and how many civilians. All will be regarded as martyrs, and revenge for their killings will lead to more terrorist violence. This process has been called the cycle of violence1: we constantly see it at work in Israel/Palestine. Secondly, Afghanistan was facing a humanitarian crisis before 11 September; this was exacerbated by the threat of bombing and is likely now to turn into a major disaster. Aid agencies say that airdrops of food will be ineffective in preventing mass starvation.
The events of 11 September were an appalling crime against humanity. The hijackers themselves are beyond punishment or revenge, but others behind them are equally guilty of mass murder. Perhaps, though, they can be punished through the process of diplomacy and law, though this too has difficulties. It is tedious, leading to complaints that nothing is being done. Several years after the Lockerbie jumbo jet atrocity only two men have been tried and one found guilty. It will be questioned whether those accused of the 11 September attacks could get a fair trial in the United States. As with the Lockerbie suspects, they could be tried under US law at the Hague, or by an ad hoc tribunal such as that dealing with war crimes in former Yugoslavia. An international criminal court will exist when enough countries agree its statute. President Clinton signed this, but his successor refuses to ask the US senate to ratify it. Some good may come of evil if the international criminal court comes into being sooner.
The tragic events of 11 September must also lead to longer term efforts to deal with wider threats to global security, which have serious implications for health care worldwide. Acts of terrorism merge into genocide over a few weeks, as in Rwanda,2 and mass killings over several years, as in Angola and the Congo (former Zaire), where millions have died out of sight of CNN and other media. Weapons of mass destruction (chemical, biological, and nuclear) could be used by non-state groups. Such fears led to the suspension of crop spraying in the US after 11 September, though experts differ on whether the largescale use of these weapons is possible without the involvement of hostile states.3 The missile defences planned by the Clinton and Bush administrations would be useless against such threats.
Measures in international law to counteract the threats exist or are in the pipeline. UN Secretary-General Kofi Annan has called for a Convention against Terrorism. As with the international criminal court statute, some of these have been opposed by the US, such as the Convention on the Illicit Trade in Small Arms and the verification protocol for the Biological Weapons Convention.4 Commentators, including Robert MacNamara (John F Kennedy's defense secretary during the Cuban missile crisis), have pointed out that the US must ask itself why it is so disliked; its attitude to multilateral treaties is one reason. Retreating into a laager is no solution.5 There is time for second thoughts on the Biological Weapons Convention protocol at its November review conference.
International conventions are no better than the states party to them (witness Iraq's programme of weapons of mass destruction), and they do not recognise non-state actors, so the ultimate need is the eradication of the causes of terrorism and other intrastate violence. These are territorial, such as Kashmir (the site of another recent act of terrorism), Northern Ireland (which shows how slow the political process can be), and the Middle East. US support for Israel is a principal cause of its unpopularity, but President George W Bush's apparent acceptance of a Palestinian state raises hope.
The second need is for global equity and sustainability. Afghanistan, Kashmir, and the West Bank and Gaza are among the world's poorest areas, and terrorist groups flourish in Colombia (FARC) and Peru (Sendoro Luminoso). The richest 26% of the world's population use 80% of its energy, the poorest fifth less than 1%.6 Afghanistan and Colombia fuel the drugs trade.
Dealing with these major economic and political problems will be time consuming and difficult. It requires a strengthened and reformed United Nations able to intervene early by non-military means against unacceptable regimes such as that of Saddam Hussein and the Taliban.7 For health professionals the attraction of such a programme, apart from its security aspects, is long term benefits for global health,8 such as access to clean water and vaccination programmes (the current crisis may delay the eradication of polio). We in Medact hope that many others will join us in promoting this exercise in preventive medicine.
Medact, London N19 4DJ (mary.holdstock@ntlworld.com)
1 Rogers P, Elworthy S. The United States, Europe and the majority world after 11 September. Oxford Research Group, 2001 (51 Plantation Road, Oxford OX2 6JE). 2 Melvern LR. A people betrayed: the role of the West in Rwanda's genocide. London: Zed Books, 2000. 3 Mackenzie D. Invisible enemies: are chemical and biological attacks a serious possibility? New Scientist 2001;6 Oct:6-7. 4 How not to make friends. Nature 2001; 412: 463. 5 Rogers P. Losing control: global security in the twenty-first century. London: Pluto Press, 2000. 6 World Commission on Environment and Development. Our common future. Oxford: Oxford University Press, 1987 (Bruntland report). 7 Commission on Global Governance. Our global neighbourhood. Oxford: Oxford University Press, 1995. 8 McMichael T. Human frontiers, environments and disease: past patterns, uncertain futures. Cambridge: Cambridge University Press, 2001.
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veröffentlicht um 10.08.2010 07:39 von David Walter
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aktualisiert 10.08.2010 10:02 von Martin Walter
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H. Sh. Weinberg, A. B. Korol, V. M. Kirzhner, A. Avivi,
T. Fahima, Eviatar Nevo, S. Shapiro, G. Rennert, O.Piatak,
E. I. Stepanova and E. Skvarskaja
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