Medienmitteilung 5. März 2003 -
Nationales Aerztekomitee
Kernenergiegesetz untauglich - Jetzt erst recht:
500 Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz sagen
Ja zu den Volksinitiativen „Strom ohne Atom“ und „MoratoriumPlus“.
Das nach dem Differenzbereinigungsverfahren vom Nationalrat
vorgelegte Kernenergiegesetz ist untauglich.
Die Sicherheit und Gesundheit der heutigen und der kommenden Generationen
werden so nicht geschützt und demokratische Grundprinzipien
der Mitentscheidung von Betroffenen mit Füssen getreten.
Der geordnete Rückzug aus der Atomenergie wäre mit
dem neuen Kernenergiegesetz denkbar und machbar gewesen. Doch
das Parlament hat anders entschieden und das Kernenergiegesetz
zum Atomförderungsgesetz verkommen lassen.
Von einer Betriebszeitbeschränkung für die Atomkraftwerke
ist keine Rede und die fünf Schweizer Reaktoren blieben wohl
noch Jahrzehnte am Netz ungeachtet der Tatsache, dass jede Nuklearanlage
auch im Normalbetrieb Radioaktivität freisetzt und eine dauernde
Gefahr für Mensch und Umwelt bedeutet.
Den Standortkantonen von geplanten Atommülllagern wird kein
Mitentscheidungsrecht zugestanden, was nicht nur anachronistisch
sondern in höchstem Masse undemokratisch und folglich inakzeptabel
ist.
Medienmitteilung 16. Januar 2003 - Nationales Aerztekomitee
Das Nationale Ärztekomitee „Atomrisiko begrenzen
– 2 x JA“ unterstützt die Volksinitiativen
„Strom ohne Atom“ und "MoratoriumPlus“.
An der heutigen Medienkonferenz legte das Komitee seine Argumente
dar. Die Atomenergie gefährde die Gesundheit der heutigen und
der kommenden Generationen. Der Umstieg auf risikoärmere Energietechnologien
sei aufgrund des Vorsorgeprinzips zwingend. Dem Ärztekomitee
gehören zur Zeit über 400 Ärztinnen und Ärzte
aus der ganzen Schweiz an. Unterstützt wird es von einem prominenten
Patronatskomitee.
Die von der Basler Künstlerin Bettina Eichin
geschaffene Skulptur "Helvetia
auf der Reise" stand als Sinnbild für Nachdenklichkeit
im Raum. Die Atomenergie werde heute der Bevölkerung sozusagen
als „Heilmittel“ gegen die Klimaerwärmung verkauft,
sagte die Berner Kinderkrebsspezialistin, Frau Dr. med.
Annette Ridolfi Lüthy. Der schönen Verpackung
fehle allerdings der Beipackzettel mit Informationen über
die Risiken und Nebenwirkungen. Diese seien nicht kalkulierbar
und lebensbedrohend. Am meisten bedroht sind die Kinder, sie sind
gegenüber Strahlen 10 mal empfindlicher als Erwachsene. „Wäre
Atomenergie ein Medikament – es müsste sofort vom Markt
genommen werden“, sagte Ridolfi.
Der Betrieb von Atomkraftwerken sei ein unvertretbares Risiko,
erklärte die Freiburger Radiologin, Frau Dr. med.
Forat Sadry. Wenn man den Rechtfertigungsgrundsatz im
Strahlenschutzgesetz ernst nehme, müssten die AKW durch risikoärmere
Alternativen ersetzt werden. Diese seien ausreichend vorhanden.
Das Strahlenschutzgesetz sei dazu da, die Gesundheit der Bevölkerung
zu schützen; das sollte für Strahlen in der Medizin
gleichermassen gelten wie für Strahlen aus Atomanlagen.
Die Basler Assistenzaerztin der Chirurgie, Frau Dr. med.
Bettina Wölnerhanssen, wies auf die dramatischen
gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Schäden
hin , die sich 17 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe in den
betroffenen Gebieten immer deutlicher zeigen. Wölnerhanssen
kritisierte die Verharmlosung der verheerenden Tschernobyl-Folgen
durch die Schweizerische Vereinigung für Atomenergie (SVA)
und sprach von „purem Zynismus“.
„Warum schliessen wir uns nicht der in Europa wachsenden
Zahl von Ländern an, die den Atomausstieg beschlossen haben?“
fragte Frau PD Dr. med. Daniela Schlettwein-Gsell, Privatdozentin
für Public Health aus Basel. Die kommende Abstimmung
über die Initiativen Strom ohne Atom und MoratoriumPlus sei
eine grosse Chance. „Nutzen wir sie – der Vernunft
zuliebe, unserem Land zuliebe, der Helvetia zuliebe“, erklärte
Frau Schlettwein-Gsell.
„Kernenergie ist gefährlich. Eigentlich wissen es
alle“, hielt der Berner Nationalrat Dr. med. Paul
Günter fest. Die Initiativen wiesen den Weg aus
der Atomfalle. Das Kernenergiegesetz (KEG) sei kein Gegenvorschlag
zu den Initiativen. Die Atomhardliner im Parlament hätten
es zu einem Atomförderungsgesetz gemacht, das die Kantone
bei der Realisierung von Atommüllagern entmachtet. „Es
ist wichtig, dass unser Volk sich dieses Angriffs auf seine Rechte
bewusst wird.. Wehret den Anfängen“, mahnte Günter.
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