Nationales Ärztekomitee Atomrisiko begrenzen - 2 * JA

 

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Strahlenbiologie: Alte und neue Erekenntnisse. Wie viele Menschen erkranken an Krebs, weil sie in der Nähe einer Atomanlage leben? Wie stark schädigt der SuperGau von Tschernobyl das Erbgut? Einige besorgniserregende Studien über die Folgen radioaktiver Strahlung (PDF zum Download, 264 kb)

Argumente gegen Atomenergie

Atomkraft ?

Für Gesundheit gefährlich - Strahlenschutz ungenügend

Ein grosser Kernschmelzunfall würde die Schweiz als gesellschaftliches und staatliches Gebilde zerstören.

Jede Nuklearanlage setzt - auch im Normalbetrieb - Radioaktivität frei. Die Risiken kleiner Strahlendosen sind ungenügend erforscht, der Wissensstand über das Ausmass somatischer und genetischer Schäden, die ein AKW im Normalbetrieb oder ein Endlager verursachen, ist dürftig. Internationale StrahlenexpertInnen mussten ihre Risikoabschätzungen in den letzten 20 Jahren massiv nach oben revidieren. Das Krebsrisiko wird heute um mindestens einen Faktor 10 höher eingestuft als Ende der 60-er Jahre. Es braucht also weit weniger Strahlung, um Krebs zu verursachen als früher angenommen.
In der Umgebung vieler Atomkraftwerke sind Leukaemien bei Kindern häufiger als in Durchschnittspopulationen. Epidemiologische Beweise für einen causalen Zusammenhang mit der Atomkraft fehlen zwar, doch sind die publizierten Studien indikativ für einen Zusammenhang Atomkraft - kindliche Leukaemie .

In der Umgebung der Wiederaufbereitungsanlage von Sellafield findet sich eine erhöhte Rate von Leukaemien bei Kindern und Totgeburten. Das Risiko des Kindstodes in utero ist dosiswirkungsabhängig von der Strahlendosis, die der Kindsvater in der Anlage von Sellafield als Arbeiter vor der Zeugung akkumuliert hat.

In der Gegend von La Hague ist die Leukaemieincidenz der Kinder erhöht und korreliert mit ihrer Aufenthaltsdauer an den Meerestränden und mit dem Konsum von Meerfisch aus den heimatlichen Gewässern.
Mutationen im Minisatellitengenom von Kindern, deren Väter als Liquidatoren in Tschernobyl gearbeitet haben, sind massiv häufiger (Faktor 7), verglichen mit ihren von deren vor dem Einsatz in Tschernobyl (noch unbestrahlten) Vätern gezeugten Geschwistern.

Was wissen wir über gesundheitliche Schäden aus dem Normalbetrieb der Schweizerischen AKW's ?

Nichts!

In der Schweiz ist kein flächendeckendes Krebsregister und kein Missbildungsregister vorhanden. Beschämend für unser reiches Land, denn exakte Folgen und Kosten umweltgefährdender Anlagen und eine vorausschauende Gesundheitspolitik werden verunmöglicht.

Neue Generation "inhaerent sichere Reaktoren" inexistent

Bei genauer Betrachtung erweisen sich die propagierten fortgeschrittenen Nuklearsysteme als blosse Fantasiegebäude und wissenschaftlich gespenstisch anmutende Gebilde. Eine Literaturstudie des Schweizerischen Wissenschaftsrates hat sich mit den so genannten fortgeschrittenen Nuklearsystemen befasst. Alle in der Studie betrachteten Systeme weisen Entwicklungshorizonte von zehn bis fünfzig Jahren auf oder können vermutlich gar nicht zur Anwendungsreife gebracht werden. Einzig greifbar ist ein europäischer Druckwasserreaktor, der den alten Reaktoren, die heute in Betrieb sind, stark ähnelt, also nicht als fortgeschrittenes System gelten kann. Eine Kernschmelze ist auch bei diesem Reaktortyp möglich, wenn auch die Sicherheit höher sein soll als bei den laufenden AKW.

Wiederaufbereitung unsinnig - Transportbehälter verseucht

Die Vorfälle der letzten Jahre sprechen eine deutliche Sprache über den desolaten Zustand des Systems, abgebrannte Brennelemente wiederaufzubereiten: Transportbehälter (u.a. Castor-Behälter), welche den abgebrannten Brennstoff befördern sind des öfteren an der Oberfläche kontaminiert unterwegs, was nicht nur Bahnangestellte und PolizistInnen sondern auch die Bevölkerung entlang der Transportwege gefährdet. Kinderleukämien um die Anlage von La Hague und Todgeburten und kindliche Tumoren um die Anlage von Sellafield sind deutliche Zeichen der erhöhten Strahlung im Umkreis von Wiederaufbereitungsanlagen. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es absurd, den abgebrannten Brennstoff in La Hague oder Sellafield zerlegen zu lassen, um Plutonium und Uran herauszutrennen. Aber: damit die Abklingbecken nicht überquellen, resp. die AKW nicht abgestellt werden müssen, wird der Atommüll nach Frankreich oder Grossbritanien abgeschoben zur Wiederaufbereitung, denn der strahlende Abbrand kann in keinem europäischen Land aufbewahrt werden.

Atommüll-Frage ungelöst

Eine akzeptable und definitive Lösung für ein Atommülllager gibt es nicht und sie ist auch für Jahrzehnte nicht abzusehen. Die Entsorgung des Atommülls gehört zu den nicht lösbaren Problemen unserer modernen Gesellschaften. Schadensbegrenzung durch den Ausstieg aus der Atomenergie ist der einzig gangbare Weg.

Waffenfähiges Plutonium - Proliferation - ein Albtraum

Wiederaufbereitung ( WAA) - euphemisch recycling genannt - verschmutzt die Weltmeere und stellt riesige Plutoniumberge her, mit dem Atomwaffen hergestellt werden können. Ein Bericht der Projektgruppe International MOX Assessment (IMA) stellt fest, dass die Herstellung eines groben Atomsprengsatzes mit reaktorgrädigem Plutonium für einen Laien nicht mehr Spezialisierung benötigt als der Bau einer Bombe mit waffengrädigem Plutonium. Jedes Atomkraftwerk, das MOX- Brennstoff einsetzt, ist indirekt ein Lager von waffenfähigem Plutonium. In der Schweiz betrifft dies Beznau I und II und Gösgen. Aus dem Bericht geht hervor, dass kein Zweifel besteht, dass frischer MOX-Brennstoff wie abgetrenntes Plutonium zu beurteilen sei, da seine Herauslösung keinerlei technische Schwierigkeiten bereiten würde. Damit wird jeder MOX-lagernde Standort, also auch jeder betroffene Reaktor, zu einem Lager von direkt waffenfähigem Material.

Das Neue Kernenergiegesetz ist das Papier nicht wert, auf dem es dereinst gedruckt werden wird

Das neue Kernenergiegesetz war vom Bundesrat als indirekter Gegnvorschlag für die Initiativen "Strom ohne Atom" und "MoratoriumPlus" gedacht. Der Bundesrat hatte zwar keine Laufzeitbeschränkung für die alten Reaktoren vorgesehen gehabt, immerhin aber die Wiederaufbereitung des Abbrandes aus den Atom- Reaktoren verboten haben wollen, da er wahrscheinlich eingesehen hat, dass Wiederaufbereitung unwirtschaftlich ist, die Luft und die Weltmeere verseucht, das Abfallvolumen vergrössert, die Plutoniumberge weiter auftürmt, Proliferation von Atomwaffen fördert und, last but not least, die Gesundheit der Bevölkerung um die Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield und La Hague schädigt. Das Parlament scheint ihm nicht zu folgen: Der Ständerat schlägt ein WAA-Moratorium von 10 Jahren vor, der Nationalrat hat in der ersten Lesung die WAA als Recycling weiterlaufen lassen.

Was auch immer bei der Differenzbereinigung herauskommen wird, es ist zuwenig! Wir müssen den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie schaffen, wie Italien, Deutschland, Schweden und Belgien diesen Weg in Angriff genommen habe.

Welchen Beitrag kann Atomstrom zur Lösung des CO2-Problems, zur Linderung des Teibhausphänomens unseres Planeten, zu leisten?

Das CO2-Problem ist ein globales Problem. Gebrauch von fossilen Brennstoffen wo auch immer zur Energieproduktion wirkt sich global aus.
Strom aus AKW machte im Jahr 2001 3% des weltweiten Energieverbrauches aus. 90% des Energieverbrauches 2001 stammte aus fossilen Quellen: Oel, Gas und Kohle. Der Energieverbrauch stieg von 1992-2001 um 12%, also um das Vierfache der gesamten Atomenergie. Dieses Wachstum und der heutige nukleare Energieanteil zeigt die Absurdität einer Substitutionsstrategie.
Allein zur Substitution des Verbrauchszuwachses der fossilen Energieträger während den letzten 10 Jahren wären 1'500 neue AKW notwendig gewesen!
Die Klimaerwärmung als Grund zur Option Kernenergie heranzuziehen, ist nicht zulässig.

Wir können den durch das Atomzeitalter angerichteten Schaden am Biotop Erde und am menschlichen Genom nicht mehr rückgängig machen, wir können den Schaden aber begrenzen. Durch den Ausstieg aus der Atomenergie!

 
Bettina Eichin - Helvetia auf der Reise Bettina Eichin - Helvetia auf der Reise Bettina Eichin - Helvetia auf der Reise