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Gesundheitliche Folgen des Uranabbaus - Wissensstand Februar 2011

veröffentlicht um 08.06.2011, 02:44 von Claudia Bürgler   [ aktualisiert 25.07.2011, 02:33 von Martin Walter ]
  • Uran gehört zu unserer Welt, es ist in der Erde, dem Gestein, der Kohle, in Flüssen und im Meer seit Urzeiten in geringsten Mengen vorhanden.
  • Es ist ein Schwermetall, in seinen gesundheitlichen Auswirkungen dem Cadmium, Quecksilber und Blei ähnlich (lagert sich im Gehirn, in den Knochen und den Nieren ab).
  • Im Bergbau liegt Natururan in den bisher ausgebeuteten Minen in einer maximalen Konzentration von 2-2,5% vor, in der weltweit grössten Mine: Olympic Dam, in Australien, in einer Konzentration von 0,03%.
  • Natururan besteht aus 99,3% aus U238 und nur zu 0,7% aus dem spaltbaren U235, sowie aus Spuren von U234.
  • In AKWs wird U 235 in einer Konzentration von 2-3% gebraucht - Yellow-Cake ist das Produkt, das von Bergbaufirmen an die AKW-Betreiber geliefert wird.
  • Der Abbau findet teilweise tief unter der Erde und teilweise im Tagebau statt.
  • Nach einer mechanischen Zerkleinerung des Gesteins folgt eine Behandlung mit Lösungsmitteln, Säuren, Lauge. Sedimentierungsverfahren und Wässerung mit grossen Mengen Wasser sind nötig.
  • 80% des radioaktiven Inventars (vor allem U238, strahlende Zerfallsprodukte) bleiben in Abraumhalden oder Tailings,vermischt mit Säuren, Laugen, Arsen und andern Schwermetallen, zurück.

Warum können Menschen krank werden?


Arbeiter atmen Sandstäube, belastet mit Uran sowie dem Zerfallsprodukt Radon ein. Uran wird zu 98% über die Niere ausgeschieden. Eine Schädigung der proximalen Tubuli ist möglich. Radon wird abgeatmet, durch zerfallende Radon-Atome entsteht der hochgiftige Alpha-Strahler Polonium, der für das Lungenkarzinom verantwortlich gemacht wird.

  • Das Trinkwasser ist kontaminiert.
  • Pflanzen und Tiere nehmen Uran und die Zerfallsprodukte auf. Die Nahrungskette der allgemeinen Bevölkerung ist belastet.
  • Kontaminierte Baumaterialien werden zum Hausbau benutzt.

Uranbergbau findet auf der ganzen Welt in Wüsten, im Urwald, in den Bergen, im Grasland unter der verschiedensten klimatischen Bedingungen und Wasservorkommen statt. Der Arbeitsschutz ist nicht vergleichbar, daher sind Studien nur begrenzt austauschbar Die Mitarbeit der Bergbaufirmen bei Studien ist limitiert. Sie begrenzen sich auf ISO-Normen, die sie selbst kontrollieren.


Durch kontrollierte Studien sind zweifelsfrei nachgewiesen:
  • Das Lungenkarzinom und andere bösartige Tumoren: Bundesamt für Strahlenschutz Deutschland: "Das radioaktive Edelgas Radon erhöht nicht nur das Risiko für Lungenkrebs. Radon kann auch das Risiko, an andern bösartigen Tumoren zu sterben, geringfügig erhöhen.“ (Bergarbeiterstudie im Gebiet Wismut mit 59 000 Arbeitern)
  • Bis 1999 wurden 7200 Fälle als Berufskrankheit anerkannt. Bis 2003 sind 3000 Menschen an Lungenkrebs gestorben.Es besteht ein 15-fach erhöhtes Risiko. Andere Krebsarten: 3340 Todesfälle: Mundhöhle, Bauchraum, Leber. Feinstaub, Arsen, Quarz spielen möglicherweise als Co- Faktoren eine Rolle.
  • Pro Jahr entstehen heute im Gebiet Wismut 200 neue Lungenkarzinome – 20 Jahre nach Schliessung der Minen.
  • Niereninsuffizienz, Nierenversagen: Die chemische Toxizität vor allem der wasserlöslichen Uranverbindung schädigt die proximalen Tubuli der Nieren. Die WHO hat Grenzwerte festgelegt.

Durch Studien als wahrscheinlich beschrieben sind:
  • Knochen und Bindegewebe: gut und bösartige Tumoren.
  • Leber und Nierenkarzinome.
  • Leukämie, häufig beschrieben, tritt aber erst 10- 20 Jahre nach Exposition auf, daher immer Zweifel an der Genese.
  • Chromosomale Aberrationen in Lymphozyten nach akuter und chronischer Strahlenexposition. Dem wird teilweise widersprochen ( Rössing in Namibia).
  • Kann Krebs und Erbkrankheiten mitverursachen.
  • Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Behinderungen, früher Tod behinderter Kinder (in Indien signifikant erhöht).

Häufig beobachtet, noch nicht ausreichend abgesichert:
  • Kindlicher Diabetes.
  • Cerebrovasculäre Erkrankungen.
  • Entwicklungsstörungen bei Kindern, Retardierung.
  • Depressionen, Suizide.

Conclusion :
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund etablierten Wissens jährlich tausende Menschen an der Urangewinnung erkranken und später sterben ist hoch
  • Das Risiko für unsere " saubere Energie" tragen nicht wir: Uran wird importiert, das Risiko nicht.
  • Die Betreibergesellschaften der Uranminen müssen von den Parlamenten verpflichtet werden, unabhängige Wissenschaftler zuzulassen.
  • Im Preis für das Uran muss eine Risiko- Versicherung für die anerkannten Krankheiten eingerechnet werden und den Erkrankten bzw. ihren Familien ausbezahlt werden.
  • Im Preis für das Uran muss die Sanierung des Geländes mit eingerechnet werden. (Wismut bisher 6,4, Milliarden Euros).

PSR / IPPNW Schweiz
AerztInnen für soziale Verantwortung / zur Verhütung des Atomkrieges
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Martin Walter,
08.06.2011, 02:50
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