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Grönland - Seltene Erden und Uran

veröffentlicht um 13.11.2012 11:51 von Martin Walter   [ aktualisiert: 13.11.2012 11:58 ]

Grönland vor zukunftsweisenden Entscheidungen. NZZ 10.11.2012, Seite 9
Die Insel muss die Grundpfeiler für die Bergbauindustrie und seine künftige
Unabhängigkeit setzen

Grönland ist reich an Bodenschätzen und wird von Investoren umschwärmt, allen voran aus China. Die Rohstoffförderung könnte der Insel dereinst die Selbständigkeit bringen. Für ihre Bewohner stehen grundlegende Entscheidungen an.

Ingrid Meissl Årebo, Nuuk, NZZ 10.11.2012

China hat den roten Teppich ausgerollt für Ove Karl Berthelsen. Der grönländische Wirtschafts- und Rohstoffminister befindet sich diese Woche auf offizieller Besuchsreise im Reich der Mitte. Dort trifft er seinen chinesischen Amtskollegen, nimmt mit seiner kleinen Delegation an einer grossen Minenkonferenz teil und verhandelt mit der China Development Bank über die Finanzierung der geplanten Eisenerzmine bei Isukasia. Das 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Nuuk gelegene Grossprojekt der Betreiberfirma London Mining hat ein Investitionsvolumen von 2,35 Milliarden Dollar.

Chancen und Risiken

Hinter den Treffen zwischen David und Goliath auf höchstem Niveau stecken handfeste Interessen. Mit Rohstoffen in ungeahnten Mengen hat Grönland, was China unbedingt benötigt. Und mit genügend Geld, um eine Reihe von milliardenschweren Investitionsprojekten anzuschieben, von denen man sich Arbeitsplätze, Steuereinkünfte und letztlich Wohlstand verspricht, kann China bieten, was Grönland fehlt. Bisher stammten die Einkünfte der Insel vornehmlich aus dem Fischfang und dem Tourismus. Ohne die jährlichen Zuschüsse von 3,6 Milliarden Kronen (590 Millionen Franken) aus Kopenhagen, die 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmachen, wäre Grönland aber nicht überlebensfähig.

Im Mutterland Dänemark weckt das Interesse des mächtigen China am ökonomischen Zwerg in der Arktis ebenso Aufmerksamkeit und Emotionen wie in Grönland selbst, wo zukunftsweisende Beschlüsse anstehen. Den riesigen ökonomischen Chancen stehen ökologische und soziale Risiken gegenüber.

Jeder Zehnte ein Chinese?

In Grönland wird gegenwärtig heftig über die Bedingungen diskutiert, zu denen ausländische Arbeitskräfte angestellt werden dürfen. Dass zusätzliche Hände nötig sein werden, um die Grossprojekte zu verwirklichen, ist unbestritten. Die zwei am weitesten fortgeschrittenen Projekte - die erwähnte Eisenerzmine sowie ein mit Wasserkraft betriebenes Aluminiumschmelzwerk, das der amerikanische Konzern Alcoa beim Dorf Maniitsoq plant - werden in der Bauphase gegen 5500 Arbeiter benötigen. Dies entspricht einem Zehntel der grönländischen Bevölkerung beziehungsweise einem Fünftel aller Erwerbsfähigen. London Mining hat klargemacht, dass das Projekt nicht rentabel sei, falls den Bauarbeitern grönländische Mindestlöhne gezahlt werden müssten. Stattdessen sollen billige chinesische Gastarbeiter die Mine mit allen dazugehörigen Bauten - eine Fabrik, eine Pipeline, eine Verbindungsstrasse und einen Hafen - errichten.

Grönlands Parlament berät derzeit einen Gesetzesvorschlag zur Anstellung ausländischer Arbeitskräfte. Dieser garantiert laut Regierung, dass die heimischen Arbeitsbedingungen eingehalten werden, während die Lohnfrage auf Unternehmensebene gelöst wird. Doch Arbeitnehmer- wie Arbeitgebervertreter protestieren gegen den Gesetzesvorschlag. Letztere befürchten, dass das einheimische Gewerbe drausen bleiben wird, weil es mit ausländischen Anbietern nicht konkurrieren kann, die mit bis zu 60 Prozent tieferen Löhnen kalkulieren. Beim Gewerkschaftsverband hat man derweil Angst vor Lohndumping. Und in den Medien wird darüber spekuliert, ob mit den Tausenden Gastarbeitern die Prostitution und noch mehr unerwünschte Schwangerschaften und Abtreibungen einhergehen werden.

Opposition mahnt zur Geduld

Gemäss dem im Juni 2009 in Kraft getretenen Gesetz über die erweiterte Autonomie kann Grönland alleine über seine reichen Naturressourcen - Gold, Zink, Blei und Eisenerz, seltene Erdmetalle und Uran, Erdöl und Erdgas sowie Wasser(kraft) - verfügen. Sobald die Gewinne daraus 75 Millionen Kronen übersteigen, muss Grönland diese mit Dänemark teilen. Und sobald sich die dänische Subvention dadurch auf null reduzieren wird, können die beiden Länder Verhandlungen über ihre wirtschaftlichen Beziehungen und eine mögliche Unabhängigkeit Grönlands aufnehmen.

Aleqa Hammond, die Chefin der grössten Oppositionspartei Siumut, sieht in den nichterneuerbaren Naturschätzen den Schlüssel zur Loslösung von der ehemaligen Kolonialmacht: «Wir waren lange genug die Diener der Dänen.» Doch Eile, sagt sie, sei nicht angesagt. Grönland sei daran, seine Identität, Gesellschaft und seinen eigenen Staat aufzubauen. Dies erfordere Zeit. «Wir sollten uns nicht dem Erstbesten verkaufen, der Geld hat», sagt Hammond. Geld hat derzeit vor allem China, dass sich für mehrere Minenprojekte in Grönland interessiert. Amerikanische und europäische Unternehmen sind dagegen auffällig abwesend mit Ausnahme des amerikanischen Aluminiumherstellers Alcoa, das Grönlands Regierung laut Medienberichten hart unter Druck setzen soll mit Forderungen nach Steuerfreiheit und einer 80-jährigen Konzessionsdauer.

Lektionen aus Afrika

Doch nicht alle mahnen wie Hammond zur Geduld und fordern eine ausgedehnte Debatte über die Grundpfeiler der künftigen Bergbaunation, bevor Entscheide getroffen werden, welche Gesellschaft, Natur und Kultur Grönlands für immer verändern werden. Auf der Regierungsseite ist man überzeugt, dass die Insel genügend vorbereitet sei für die Zukunft. «Wir arbeiten seit zehn Jahren an einer Strategie für den neuen Wirtschaftssektor», sagt Vize-Rohstoffminister Jörn Skov Nielsen in seinem neuen Büro im «Nuuk Centre». Das im Sommer eröffnete erste Shopping-Zentrum des Landes, in dessen achtstöckigen Turm aus Glas und Metall grosse Teile der Verwaltung gezogen sind, ist ein perfektes Symbol für die neuen Zeiten, die Grönland sich von der Bergbau-Ära verspricht.

In dänischen Medien häufen sich derweil Berichte, die davor warnen, dass Grönland seinen Reichtum leichtfertig aus der Hand geben könnte. Es wird an die schlechten Erfahrungen afrikanischer Länder erinnert, denen das grosse Geld, Infrastrukturbauten und Wohlstand versprochen wurde, die im Nachhinein aber nicht von den chinesischen Projekten profitierten. Dänemarks militärischer Nachrichtendienst schreibt in seinem neusten Bericht, dass das grosse Interesse, welches China, aber auch Russland, die USA und die EU an der Insel in der Arktis zeigten, geostrategische Auswirkungen habe und globale politische Spannungen auslösen könnte.

Laut dem Grönland-Experten Damien Degeorges wird die Dimension der Rohstofffrage, insbesondere der Uranabbau (siehe Kasten), auf der Insel von vielen unterschätzt: «Grönland führt eine lokale Diskussion über Fragen, die in höchstem Grade die Weltpolitik betreffen», sagt der Franzose, der lange in Grönland gelebt hat. Wie die Oppositionsführerin Hammond warnt auch Degeorges vor überhasteten Entscheidungen: «Grönland befindet sich auf der Autobahn zur Unabhängigkeit. Es kann nicht umkehren, aber es kann einen Gang zurückschalten oder anhalten und sich überlegen, wie es weiterfahren soll», sagt Degeorges. Er empfiehlt Grönland, einen Blick nach Australien zu werfen. Dort werde Chinas Interessen an den seltenen Erdmetallen mit viel Rückgrat begegnet.

Dänische Besserwisserei

Grönlands Regierungschef Kuupik Kleist, dem jüngst Südkoreas Präsident Lee, die amerikanische Aussenministerin Clinton und der Kommissionspräsident der Europäischen Union Barroso die Aufwartung machten, kann der Kritik nichts abgewinnen. Vielmehr wirft er jenen, die zu wissen meinen, was für Grönland am besten sei, Besserwisserei vor. Zudem zeuge es von Doppelmoral, wenn man chinesische oder südkoreanische Investitionen in Dänemark und in ganz Europa willkommen heisse, Grönland aber davon ausschliessen wolle, meinte Kleist voriges Wochenende in einem Interview mit der dänischen Zeitung «Berlingske Tidene». Der Regierungschef betont seit längerem, dass es allen freistehe, sich in Grönland um Abbaulizenzen zu bewerben. Investoren aus Europa und den Vereinigten Staaten sind aber bemerkenswert abwesend - ob mangels Geld oder mangels Interesse, sei dahingestellt.

Die Weichen im Bergbausektor möchte Kleist bald stellen, damit bis im Jahr 2025 fünf bis zehn Minen in Betrieb sind. Die Loslösung von Dänemark hat für ihn dagegen weniger Eile. Dem Realpolitiker ist die Souveränität Grönlands wichtig, er möchte jedoch zuerst darauf hinarbeiten, die Insel ökonomisch auf eigene Beine zu stellen.

Uranabbau in Indien - ein Film über die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung

veröffentlicht um 24.08.2012 22:15 von Martin Walter   [ aktualisiert: 09.09.2012 03:09 ]

The 10-minutes short documentary based on a recent study conducted by the Indian Doctors for Peace and Development (IDPD Patna chapter) in and around villages of Jadugoda uranium mine with help of JOAR (www.jadugoda.net). IDPD is Indian chapter of Germany / US -based International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW- Noble Peace prize winner Organization). 
This video shows the plight and harass realities of the health conditions of people who lives near to the Jadugoda mine, mill and tailing dam, which the UCIL (Uranium Corporation of India limited) always deny on any effect of radiation on the local population. 


This video was first screened at the international conference, Nuclear War — A Pandemic, that was organised by the Royal Medical Society in London in October 2007 and then in the International Conference of IPPNW in march 2008 in delhi. This is the second movie by the Jharkhand based filmmaker, Shriprakash-Prakash (kritikashri@hotmail.com) in the same issue. His first film, Buddha Weeps in Jadugoda, was screened at international film festivals and appreciated worldwide.

Conférence "Uranium, Santé et Environnement" 16 - 18 mars 2012, Bamako, Mali

veröffentlicht um 08.02.2012 01:50 von Claudia Bürgler   [ aktualisiert: 08.02.2012 02:15 ]

Une conférence de l’organisation de médecins IPPNW –  International Physicians for the Prevention of Nuclear War, en collaboration avec ARACF - Association des Ressortissants et Amis de la Commune de Falea, Mali et uranium-network.org, Allemagne. (programme voir dessous)

Konferenz der internationalen Ärztevereinigung  IPPNW - International Physicians for the Prevention of Nuclear War, in Zusammenarbeit mit ARACF - Association des Ressortissants et Amis de la Commune de Falea, Mali und dem uranium-network.org, Deutschland. (Programm siehe unten)

A conference of the international association of medical doctors, IPPNW - International Physicians for the Prevention of Nuclear War, in cooperation with   ARACF - Association des Ressortissants et Amis de la Commune de Falea (Association of Inhabitants and Friends of the Municipality of Falea), Mali and uranium-network.org, Germany. (Programm see below)





Gesundheitliche Folgen des Uranabbaus - Wissensstand Februar 2011

veröffentlicht um 08.06.2011 02:44 von Claudia Bürgler   [ aktualisiert 25.07.2011 02:33 von Martin Walter ]

  • Uran gehört zu unserer Welt, es ist in der Erde, dem Gestein, der Kohle, in Flüssen und im Meer seit Urzeiten in geringsten Mengen vorhanden.
  • Es ist ein Schwermetall, in seinen gesundheitlichen Auswirkungen dem Cadmium, Quecksilber und Blei ähnlich (lagert sich im Gehirn, in den Knochen und den Nieren ab).
  • Im Bergbau liegt Natururan in den bisher ausgebeuteten Minen in einer maximalen Konzentration von 2-2,5% vor, in der weltweit grössten Mine: Olympic Dam, in Australien, in einer Konzentration von 0,03%.
  • Natururan besteht aus 99,3% aus U238 und nur zu 0,7% aus dem spaltbaren U235, sowie aus Spuren von U234.
  • In AKWs wird U 235 in einer Konzentration von 2-3% gebraucht - Yellow-Cake ist das Produkt, das von Bergbaufirmen an die AKW-Betreiber geliefert wird.
  • Der Abbau findet teilweise tief unter der Erde und teilweise im Tagebau statt.
  • Nach einer mechanischen Zerkleinerung des Gesteins folgt eine Behandlung mit Lösungsmitteln, Säuren, Lauge. Sedimentierungsverfahren und Wässerung mit grossen Mengen Wasser sind nötig.
  • 80% des radioaktiven Inventars (vor allem U238, strahlende Zerfallsprodukte) bleiben in Abraumhalden oder Tailings,vermischt mit Säuren, Laugen, Arsen und andern Schwermetallen, zurück.

Warum können Menschen krank werden?


Arbeiter atmen Sandstäube, belastet mit Uran sowie dem Zerfallsprodukt Radon ein. Uran wird zu 98% über die Niere ausgeschieden. Eine Schädigung der proximalen Tubuli ist möglich. Radon wird abgeatmet, durch zerfallende Radon-Atome entsteht der hochgiftige Alpha-Strahler Polonium, der für das Lungenkarzinom verantwortlich gemacht wird.

  • Das Trinkwasser ist kontaminiert.
  • Pflanzen und Tiere nehmen Uran und die Zerfallsprodukte auf. Die Nahrungskette der allgemeinen Bevölkerung ist belastet.
  • Kontaminierte Baumaterialien werden zum Hausbau benutzt.

Uranbergbau findet auf der ganzen Welt in Wüsten, im Urwald, in den Bergen, im Grasland unter der verschiedensten klimatischen Bedingungen und Wasservorkommen statt. Der Arbeitsschutz ist nicht vergleichbar, daher sind Studien nur begrenzt austauschbar Die Mitarbeit der Bergbaufirmen bei Studien ist limitiert. Sie begrenzen sich auf ISO-Normen, die sie selbst kontrollieren.


Durch kontrollierte Studien sind zweifelsfrei nachgewiesen:
  • Das Lungenkarzinom und andere bösartige Tumoren: Bundesamt für Strahlenschutz Deutschland: "Das radioaktive Edelgas Radon erhöht nicht nur das Risiko für Lungenkrebs. Radon kann auch das Risiko, an andern bösartigen Tumoren zu sterben, geringfügig erhöhen.“ (Bergarbeiterstudie im Gebiet Wismut mit 59 000 Arbeitern)
  • Bis 1999 wurden 7200 Fälle als Berufskrankheit anerkannt. Bis 2003 sind 3000 Menschen an Lungenkrebs gestorben.Es besteht ein 15-fach erhöhtes Risiko. Andere Krebsarten: 3340 Todesfälle: Mundhöhle, Bauchraum, Leber. Feinstaub, Arsen, Quarz spielen möglicherweise als Co- Faktoren eine Rolle.
  • Pro Jahr entstehen heute im Gebiet Wismut 200 neue Lungenkarzinome – 20 Jahre nach Schliessung der Minen.
  • Niereninsuffizienz, Nierenversagen: Die chemische Toxizität vor allem der wasserlöslichen Uranverbindung schädigt die proximalen Tubuli der Nieren. Die WHO hat Grenzwerte festgelegt.

Durch Studien als wahrscheinlich beschrieben sind:
  • Knochen und Bindegewebe: gut und bösartige Tumoren.
  • Leber und Nierenkarzinome.
  • Leukämie, häufig beschrieben, tritt aber erst 10- 20 Jahre nach Exposition auf, daher immer Zweifel an der Genese.
  • Chromosomale Aberrationen in Lymphozyten nach akuter und chronischer Strahlenexposition. Dem wird teilweise widersprochen ( Rössing in Namibia).
  • Kann Krebs und Erbkrankheiten mitverursachen.
  • Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Behinderungen, früher Tod behinderter Kinder (in Indien signifikant erhöht).

Häufig beobachtet, noch nicht ausreichend abgesichert:
  • Kindlicher Diabetes.
  • Cerebrovasculäre Erkrankungen.
  • Entwicklungsstörungen bei Kindern, Retardierung.
  • Depressionen, Suizide.

Conclusion :
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund etablierten Wissens jährlich tausende Menschen an der Urangewinnung erkranken und später sterben ist hoch
  • Das Risiko für unsere " saubere Energie" tragen nicht wir: Uran wird importiert, das Risiko nicht.
  • Die Betreibergesellschaften der Uranminen müssen von den Parlamenten verpflichtet werden, unabhängige Wissenschaftler zuzulassen.
  • Im Preis für das Uran muss eine Risiko- Versicherung für die anerkannten Krankheiten eingerechnet werden und den Erkrankten bzw. ihren Familien ausbezahlt werden.
  • Im Preis für das Uran muss die Sanierung des Geländes mit eingerechnet werden. (Wismut bisher 6,4, Milliarden Euros).

PSR / IPPNW Schweiz
AerztInnen für soziale Verantwortung / zur Verhütung des Atomkrieges

Der Tod der aus der Erde kommt

veröffentlicht um 08.06.2011 02:32 von Claudia Bürgler   [ aktualisiert 05.07.2011 01:11 von Martin Walter ]

Im Anhang finden Sie den aktuellen Folder als pdf-Datei mit der Erklärung von Basel, der Resolution der IPPNW (anlässlich des IPPNW Worldcongress 2010) und dem Essay "Der Tod, der aus der Erde kommt" in deutsch und englisch.
Mehr infos auch auf: http://www.nuclear-risks.org/de/startseite.html?L=3

Gesundheitliche Folgen des Uranabbaus - "Bericht von Günter Baitsch Im Umweltausschuss der Bundesärztekammer in Berlin Ende September 2010"

veröffentlicht um 08.06.2011 01:28 von Claudia Bürgler   [ aktualisiert 05.07.2011 01:25 von Martin Walter ]


Vorrede: Warum mach ich das?


1999 war ich für 4 Wochen in der Zentralsahara in der Republik Niger. Dort habe ich neben einer phantastischen Wüstenlandschaft, Menschen kennengelernt, die nach jahrelangem Bürgerkrieg wieder Hoffnung hatten. Der Tourismus begann sich als Einnahmequelle zu etablieren. Es waren, äusserst bescheidene, trotz extremer Armut, fröhliche Menschen. Und extrem ausdauernd.  Niger ist laut WHO das zweitärmste Land der Welt. Aufgrund der Rohstoffvorkommen eines der Reichsten.


Vor etwa 7 Jahren hat die Regierung neue Uran- Schürfrechte an Frankreich (bisher die einzige Nation und ehemalige Kolonialmacht), an Australien, China, Canada vergeben. Den Tuaregs wurde das Land, welches sie als Weidegründe für Kamele, Ziegen brauchen mit Gewalt und vielen Toten weggenommen. Die Menschen ganzer Oasen wurden mitsamt ihrer Tiere umgebracht. Der totale Bürgerkrieg - Tuareg gegen Regierung begann. Frankreich unterstützt diese Tuareg Rebellen mit Waffen, da es alleine die Macht über das Uran haben will. Seit einem Jahr ist nun auch Al Quaida am Werk und bringt den Tuaregs bei wie man Geiseln nimmt und Geld erpresst. Unser Energiehunger führt in einem fernen Land, das fast niemand kennt, zu Zerstörung, Toten, Menschen, die verhungern. Diesen Kreislauf will ich aufzeigen
 
Das Argument von Michael Beleites (Landesbeauftragter für die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit in Sachsen) überzeugt mich: "Mir ist es wichtig, dass der Uranbergbau nicht nur als ein Teil, sondern als der entscheidende Teil der nuklearen Brennstoffkette begriffen wird. Und: Wenn man den Uranbergbau heute in Deutschland im grossen Massstab nicht durchsetzen kann, dann sollten wir so anständig sein und das auch andern nicht zumuten. Wir müssen dafür offenbar noch ethische Massstäbe entwickeln und diese in die Politik einführen. Wir dürfen für unseren Wohlstand nicht Rohstoffe beanspruchen, die anderswo zu Bedingungen produziert werden, die bei uns nicht erlaubt sind, weil sie die Umwelt verseuchen". Dies ist ja nichts anderes als Kants "Kategorischer Imperativ".
 
Anlässlich des Weltkongresses der IPPNW in Basel (August 2010), habe ich zusammen mit andern NGOs eine Konferenz zum Uranabbau bei indigenen Völkern (sog. Ureinwohner) organisiert.  Der folgende Text mag als Zusammenfassung dieser Konferenz gelten. Anwesend waren Indigene aus allen 5 Kontinenten, sowie Wissenschaftler aus Australien, Canada, und Deutschland.
 
Uran wird zu 70 - 80% auf Gebieten indigener Völker abgebaut. Die Gesellschaften sind meist westlich mit Sitz USA ,England , Frankreich und Australien.  Uran ist ein Schwermetall und radioaktiv, in seiner Toxizität als Schwermetall dem Quecksilber, Blei und Cadmium ähnlich. Es wird zu 98% ausgeschieden über Urin und den Darm, akkumuliert in Leber und der Niere. .
Der Uranbergbau findet in 25 bis 30 Länder meist im Tagebau statt. Es ist in der sogenannten Pechblende in kleinsten Mengen vorhanden. Arsen ist häufig ebenfalls dabei. Die Erze werden vor Ort mechanisch zerkleinert . Es folgen komplizierte physikalische und chemische Verfahren, zunächst mit organischen Lösungsmitteln, dann mit verdünnter Schwefelsäure und schliesslich mit Laugen. So erhält man den sogenannten" Yellow Cake". Dieser kommt als solcher in den Handel und wird über Börsen auf dem Weltmarkt angeboten.. Daher ist es im Einzelfall schwer nachweisbar, woher da Uran eines AKW kommt. Der Urangehalt ist sehr tief. Nach weiteren Extraktionsverfahren erhält man eine Mischung im Wesentlichen von zwei natürlichen Uranisotopen U-238 und U- 235. Das spaltbare U-235 muss für den Gebrauch in Kernkraftwerken vom Gehalt von 0,7% auf 2-5% angereichert werden (LEU- Lightly Enriched Uranium). Kernwaffenfähiges Material benötigt mindestens 60%, typischerweise 85 % U-235 (HEU - Highly Enriched Uranium).
Als Nebenprodukt des Anreicherungsprozesses entsteht abgereichertes Uran, im Wesentlichen U - 238 (DU- Depleted Uranium).  Dieses wird für panzerbrechende Geschosse eingesetzt und ist nach wie vor radioaktiv.

Für den primären Reinigungsprozess braucht es riesige Wassermengen, die aus den Trinkwasserreserven der lokalen Bevölkerung stammen. Die Abwässer werden in Becken, die teilweise kilometerlang und breit sind gelagert, oder als Abraumhalden. Man nennt sie " Tailings". Die Säuren, Laugen, Lösungsmittel, das Arsen und v.a. das Rest-Uran, und alle Nuklide, die nicht Uran sind, gelangen so in die Umwelt: Die Tailings enthalten 80% des radioaktiven Inventars des ursprünglichen Materials. Die Tailings trocknen aus, der nächste Sandsturm nimmt den kontaminierten Sand über 100km und mehr mit. Die Tailings überlaufen beim nächsten Monsun-Regen, wie in Nord-Ost Indien und überschwemmen das noch verbliebene Ackerland. Die riesigen Tailings sind undicht, kontaminieren Grundwasser, Flüsse über viele 100 km. Insekten, Wild und Nutztiere, Pflanzen sind somit belastet .Das Trinkwasser in Arlit hat eine 7-110 fach höhere Belastung, als der WHO - Grenzwert vorgibt.

Uranatome haben eine Halbwertszeit von4,5 Milliarden Jahre(U-238) bzw. 700 Millionen Jahre (U- 135). Ein bestimmtes Atom , kann also während Jahrtausenden in seinem Urzustand verbleiben, während sein Nachbaratom in der nächsten Minute zerfällt .Die Halbwertszeiten der Zerfallsprodukte variieren im Bereich von Millisekunden bis zu etwa 250‘000 Jahren. Die Zerfallsreihe endet mit dem stabilen Blei-206.

Unter den Zerfallsprodukten scheint das Radongas, ein Alpha- Strahler, nach heutigem Wissen die meisten gesundheitlichen Probleme zu machen. Es wird durch Atmung inkorporiert. Die krank machende Wirkung geht dabei von den Radon- Zerfallsprodukten aus. Zum Beispiel zwei Wismut-Isotope, beides Beta Strahler, sowie Polonium,( ein Zerfallsprodukt des Radiums und ein Alpha- Strahler) . Radon selbst hat eine kurze Halbwertszeit von 3,8 Tagen, seine Zerfallsprodukte teilweise eine sehr lange.

Mögliche Strahlenwirkung im menschlichen Organismus: Die Alpha- und teilweise Beta - Strahlen sind in der Lage, Elektrone aus den Atomen und Molekülen zu dislozieren. Sie beschädigen intrazelluläre Strukturen incl. Mitochondrien, Enzyme und DNA. Die DNA wird in der Zelle repariert, wobei die Reparatursysteme überfordert sein können, was zu Genominstabilität führt. Werden Doppelstrangbrüche unvollständig repariert, können sie als Trigger Krankheiten induzieren., übrigens auch Einzelstrangbrüche. Carcinome, teratogene Effekte, geistige Retardierung, Geburtsschäden, chromosomale Anomalien, Erbkrankheiten resultieren. Neuerdings werden auch Enzymschäden, insbes. durch Pankreasschäden diskutiert, sowie Immunschwächen und frühzeitiges Altern..
Beta Strahler haben nur eine kurze Reichweite, sie können aber die Zellen am Ort des Zerfalls nachhaltig schädigen Gamma- Strahlen sollen intrazellulär eine Kettenreaktion auslösen… (dies sind Hypothesen, die derzeit untersucht werden)

 

Folgende Krankheiten können als gesichert angesehen werden:

Bei Bergwerksarbeitern die Lungensilikose und das Lungen- und Bronchialkarzinom. In Wismut sind bis 1999 7‘200 Fälle als Berufskrankheit anerkannt, in den nächsten Jahren werden noch weitere 7000 erwartet, jährlich kommen 200 dazu. Bei den Navajo-Indianern, die Nichtraucher sind, ist das Lungencarcinom bei Bergwerkarbeitern 28 mal häufiger. Carcinome im Nasen-Rachenbereich wurden in Wismut eindeutig vermehrt festgestellt.
 
Folgende Krankheiten müssen als wahrscheinlich angesehen werden, sind aber statistisch noch nicht ausreichend abgesichert:
Niereninsuffizienz und Nierencarcinome: Aus Allen Uranabbaugebieten wird dies identisch berichtet, nicht nur bei Arbeitern, auch aus der Bevölkerung. Die Niereninsuffizienz ist auf die Wirkung des Schwermetalls Uran auf die proximalen Tubuli zurückzuführen.
 
Unspezifische Tumore, Lymphome, Leukämie, Magen und Gallenblase Carcinome, sind in allen Uranabbaugebieten vermehrt vorhanden aber bisher nicht systematisch erfasst.
Frühgeburten, Fehlgeburten, Missgeburten. Hier gibt es einzelne gute Studien aus Indien und Australien, von der Scientific community, jedoch noch nicht wahrgenommen. 
 
Folgende Krankheiten werden beobachtet, sind aber noch nicht "studiert": 

Frühzeitiges Altern, Frühzeitiger Tod, schnelle Arteriosklerose, Knochensarkome (Niger). Das Uran scheint dem Calcium zu folgen. Retardierung bei Kindern, Deprimiertes Immunsystem, Diabetes bei Kindern, Depressionen. 
 
Das Problem: Weder in Afrika noch in Indien, noch in Russland werden neutrale Studien erlaubt. Konzerneigene Krankenhäuser geben keine Daten heraus. Ärzte, die eine strahlenbedingte Krankheit in Erwägung ziehen, werden entlassen, bekommen teilweise Berufsverbot. (Dies wird aus all diesen Regionen einhellig berichtet). Der Tod wird dem Rauchen oder AIDS angelastet. In Nordamerika, Canada und Australien gibt es Studien, aber immer nur kleine Gruppen und keine Längsschnittstudien.

Arbeiter, die krank werden, werden in Arlit(Niger) meist entlassen, verlieren das Anrecht auf Behandlung im betriebseigenen Krankenhaus.
In Indien werden zunehmend Wanderarbeiter für kurze Zeit eingesetzt, in China vorzugsweise Häftlinge.....
 
Sozioökonomische Folgen:

Die Indigenen berichten einstimmig und unabhängig voneinander, dass in Australien, Indien, Nordamerika, Canada, Brasilien, allen Abbaugebieten in Afrika die Menschen aus ihren angestammten Gebieten vertrieben werden und nicht wissen wohin. Die meisten dieser Menschen haben eine tiefe Verwurzelung zu ihrem Gebiet und zu ihren heiligen Stätten. Dieses Trauma ist für sie häufig schlimmer als Krankheit und Tod.

In Afrika ist die lokale Bevölkerung teilweise nicht gegen den Uranabbau, sie möchte jedoch am "Gewinn" beteiligt werden, was zwar versprochen, aber nicht eingehalten wird. Es erfolgt keinerlei Orientierung über die gesundheitliche Problematik. 
 
Zusammenfassung und Schlussfolgerung:
 
Die Urangewinnung ist eine äusserst energie- und wasserintensive Industrie.
Die Urangewinnung verursacht für die Indigene Bevölkerung einen grossen Sozio- ökonomischen Schaden.
Fundamentale Menschenrechte werden verletzt.
Die Urangewinnung verursacht Silikose, Lungencarcinome, Magen und Nierencarcinome in nicht bekannter Grössenordnung, weil Studien konsequent verhindert werden.
Die Urangewinnung steht in dringendem Verdacht Fehl- und Missgeburten sowie geistige Retardierung zu verursachen. Schnelles Altern, Arteriosklerose Immundepression und Knochensarkome, kindlicher Diabetes , sowie Depressionen werden vermehrt beobachte, sind aber noch nicht systematisch erfasst.
 

Die Sanierung von "Wismut" hat bisher 6,2 Milliarden Euro gekostet .Ähnliche Summen müssen eines Tages auch für die jetzigen Uran-Gewinnungs- Länder aufgebracht werden.
Somit wird die Atomenergie eine exorbitant teure Energieform. 
 
Wünsche und Forderungen der "Indigenen"

- Helft uns, damit unsere Arbeitsbedingungen und der Arbeitsschutz verbessert werden
- Helft uns, dass wir neutrale Ärzte bekommen, die uns beraten, sauber diagnostizieren und uns therapieren.
- Fordert für uns objektive Studien ein, wir können ja nichts beweisen, nicht Alle haben AIDS.
- Helft uns mit Infomaterial für die Bevölkerung unserer Gebiete, denn sie ist über nichts orientiert
- Helft uns, das langfristige Ziel zu erreichen " Lasst das Uran in der Mutter Erde"
 
Konsequenz für uns Ärzte:
Wir müssen wissenschaftliche Arbeiten einfordern
Wir müssen die Indigenen ernst nehmen: Sie brauchen nicht-verstrahltes Trinkwasser und Nahrungsmittel, bessere Luft, bessere Arbeitsbedingungen.
Wir sind moralisch verpflichtet, unsere Kolleginnen und Kollegen über all diese Tatsachen aufzuklären und allen klar zu machen, dass unsere "saubere, billige und CO2 Freie Energie" andere mit viel Leid bezahlen.
Wir müssen die Kraftwerksbetreiber und Politiker (die beide ganz offensichtlich nicht orientiert sind über diese Zustände) aufklären.
 
 
Kant: Der Kategorische Imperativ: Er gebietet allen endlich vernunftbegabten Wesen, und damit allen Menschen, Handlungen darauf zu prüfen, ob sie einer universalisierbaren Maxime folgen und ob dabei die betroffenen Menschen je auch in ihrer Selbstzweckhaftigkeit berücksichtig werden.

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